Ach, die sittenlose Presse! Tut sie nicht in früher Stund
all die sündlichen Exzesse schon den Bürgersleuten kund?!

Wilhelm Busch
(1832 - 1908), »Die fromme Helene«

"Tun Ihnen die Tiere denn gar nicht leid?" So lautet die meistgestellte Frage von Journalisten.
"Nein!" ist die Antwort.
Mir tun Tiere leid, die gequält werden. Zuchtvieh das unnötig in LKW's herum gekarrt wird, Hühner in Legebatterien, die ihr ganzes Leben lang nicht einen einzigen Sonnenstrahl sehen. Oder Pferde, die von irgendwelchen Geisteskranken auf der Weide malträtiert werden, bis sie jämmerlich eingehen. Die tun mir leid!
Das Reh in meiner Tiefkühltuhe hat nicht gelitten. Es hatte ein wunderbares Leben in der freien Natur und hat den Knall meiner Waffe nicht mehr gehört.

PRESSE

Warum jagen wir?
Weiber-Offensive
Heißer Draht statt langer Leitung
Operation Jagdschein
Jagdschein - und nun?


RUNDFUNK

SWR1, 8. März 2004
HR1, Mai 2003


FERNSEHEN

ZDF - Hallo Deutschland (Willkommen im Club), 24.04.2004
ZDF - Drehscheibe Deutschland (Jägerinnen auf Beutefang), 14. 01.2003
VOX - Kochduell, 27.11.2002
Südwest3 - Landesschau, 8.7.2002


MODEL

Nein, ich schrecke vor nichts zurück - solange ich dabei etwas für die Jagd tun kann. Im April 2004 habe ich für die Firma Kettner als Fotomodell gearbeitet.
Der Jubiläumskatalog ist soeben erschienen und kann kostenlos bestellt werden. kettner@claudiadiewald.net




Warum jagen wir?
Pirsch Ausgabe 1/2002

Mir ist die Flinte nicht in die Wiege gelegt worden! Erst auf großen Umwegen habe ich den Sinn und die Notwendigkeit der Jagd verstanden und erkannt, dass in meinen Adern heißes Jägerblut fließt.
Noch vor zehn Jahren hätte ich jeden der mir sagt, ich würde jemals ein Tier töten, für hoffnungslos verrückt erklärt! Ausgerechnet ich, die jeden Igel nächtens mit blossen Händen von der Fahrbahn rollt und wildfremde Katzen beim Tierarzt behandeln läßt, weil sie mir in körperlich schlechter Verfassung erscheinen.
Damals litt ich noch unter dem, was ich heute das "Bamby-Syndrom" nenne. Was ich über Jagd wusste, enstammte den Medien und war entsprechend vorgefertigt.
Durch meine Arbeit in der Immobilien- und Vermögensverwaltung wurde ich zu dieser Zeit mit der Verwaltung eines Gutes betraut, zu dem auch ein Jagdrevier gehörte. Erst war ich ratlos. Die ersten Anzeichen meines Sinneswandels traten dann mit der Bekanntschaft einiger Jäger ein: ein Umstand, den ich bis dahin vermieden hatte.
Die rannten nicht alle, bewaffnet bis an die Zähne, mordlustig in der Prärie herum -nein- sie hatten auch etwas zu sagen. Mir war nicht bekannt, dass ein Revier bewirtschaftet werden muss und das es gesetzliche Vorgaben dafür gibt.
Ich musste mich mit Jagdrecht, Naturschutz, Wildpretvermarktung, Tierkrankheiten, Biotoppflege und allem Möglichen auseinandersetzen. Und je mehr ich lernte, desto besser gefiel mir diese Aufgabe.
Ich glaube, in dieser Zeit habe ich das erste Mal die Jahreszeiten bewusst wahrgenommen, denn noch nie vorher hatte ich mich so oft in der Natur aufgehalten. Verantwortung war das Zauberwort, das mich dazu bewog, die Jägerprüfung zu machen. Ein kleines Fleckchen Erde mit all seinen Tieren eigenverantwortlich zu bewirtschaften. Dabei lag der Schwerpunkt meines Interesses nicht nur auf dem sogenannten "jagdbaren Wild" sondern in der ganzen Vielfalt, die unsere Tierwelt zu bieten hat.
Fledermäuse brauchen Nistmöglichkeiten. Feuchtbiotope bilden die Lebensgrundlage für Amphibien. Remisen bieten Brut- und Aufzuchtmöglichkeiten für Singvögel. Natürlich pflegt man auch die Lebensräume aller vorhandenen Wildtierarten. Verantwortung bedeutet aber nicht, alles leben zu lassen.
Mich faszinieren Füchse! Die Eleganz der Bewegungen, die wunderschöne Farbe ihres weichen Fells, die Raffinesse in den funkelnden Sehern. Die weichen Ballen und die scharfen Zähne. Aber eben diese bezaubernden Wildwesen können den Bestand an Bodenbrütern gefährden. Da sie keine natürlichen Feinde haben und wir Jäger sie selbst gegen die Tollwut immunisiert habe, müssen sie reduziert werden. Und solange nicht bewiesen ist, dass eine hohe Fuchs- population nützlich ist oder Reineke auf der Roten Liste erscheint, werde ich dafür sorgen!
Die Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes als meine persönliche Aufgabe zu übernehmen, war mein Ziel! Und ich war wild entschlossen, diese Aufgabe mit allen Konsequenzen auf mich zu nehmen.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, wie sehr mich die Jägerei in ihren Bann ziehen würde.
Wie alles in meinem Leben betreibe ich auch die Jagd mit Leidenschaft. Wenn mich das Jagdfieber packt, bin ich nicht mehr zu halten!
Ich liebe es, durch mein Revier zu pirschen, liebe den Geruch des Waldes und das leise Geräusch meiner Tritte im Laub auf Pirsch. Ich liebe das Gefühl meines Pulsschlags beim Anblick eines kapitalen Bocks und das kühle Holz meiner Waffe wenn ich vorsichtig in Anschlag gehe.
Ich liebe das Bild im Zielfernrohr, wenn ich den Bock endlich still im Fadenkreuz habe, und das leise "Klick" des Stechers. Die Anspannung - Waffe fest an der Schulter - tief einatmen - ausatmen - Luft anhalten - Starre: Schuss!
Ich liebe den Pulverduft nach einem sauberen Schuss und das gespannte Gefühl, welches mich auf dem Weg zu meinem erlegten Bock begleitet! Wenn ich vor ihm stehe überkommt mich eine gewisse Andächtigkeit.
Ich weiss, dass ich getötet habe und der Tod dieses Tiers hat einen Sinn und ich habe es gut gemacht! Jetzt bin ich stolz, glücklich und federleicht. Stolz auf meine Leistung, glücklich über meine Beute und federleicht, weil die Anspannung der letzten Minuten von mir abgefallen ist.
Es geht mir gut! Ich bin selig! Ich jage mit allen Sinnen!
Natürlich hat die Jagd auch den Hauch von Abenteuer und Freiheit - und das nicht zu Unrecht! Bei Wind und wetter in Wald und Flur herumzustreifen, den Durst mit Wasser aus der Quelle zu stillen, Beeren vom Strauch zu naschen, nach dem Ansitz schon mal ein Feuer anzuzünden und sich gemeinsam mit Freunden daran bis tief in die Nacht zu wärmen. So ist die Jagd und so möchte ich sie mir auch bewahren.
Diese grenzenlosen Möglichkeiten habe ich mir mit meinem eigenen Revier geschaffen. Wer beim Jagen in Stress gerät, hat etwas falsch gemacht. Entweder ist das Revier zu weit entfernt oder zu groß oder er hat die falschen Jagdfreunde - oder die falsche Einstellung.
Mad sein, dss die Jagdromantik in Zeiten der Schweinepest, beim Erhalt der Wildschadensrechnung oder im Kampf gegen selbsternannte Tierschützer leidet - aber es gibt sie. In meinem "Jagdland" streife ich umher, bis ich Wild aufspüre. Ich prüfe den Wind und verfolge es, ohne dass es mich bemerkt. Ich erlege es mit meiner Waffe, die ich genauso blind handhaben kann wie meinen Haustürschlüssel. Ich berge und versorge mein Wild selbst und scheue mich nicht, männliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn es über meine körperlichen Kräfte geht.
Für alles Essbare habe ich wunderbare Rezepte. Auch das ist Freiheit! Schließlich liefert Wild nicht nur Trophäen, sondern auch hochwertiges Fleich.
Mittlerweile bestimmt die Jagd mein Leben. Ich würde sie gegen nichts mehr tauschen. Was kann es schöneres geben, als mit der Natur zu leben und ihr zu entnehmen, was sie an Überfluss bietet? Meine Einstellung zu Auslandsjagden habe ich zwischenzeitlich auch revidiert. Irgendjemand sagte einmal "Die ganze Welt jagt - nur die Deutschen waidwerken!" Das stimmt so nicht. Die Jagdkulturen und Jagdgesetze dieser Welt unterscheiden sich teilweise zwar gewaltig - aber nicht die Jäger. Wenn in Schottland auf liegendes Wild und in Ungarn aus dem Auto geschossen wird, dann hat das seinen Grund. Ebenso wenn in Afrika Leoparden gejagt werden.
Überall wird gewaidwerkt, es heißt dort nur anders.
Es ist mir ein großes Anliegen, die Erfahrungen, die ich in meinem Jägerleben gesammelt habe, weiter- zuvermitteln, denn sie haben mich nicht veranlasst, die Welt mit anderen, objektiveren Augen zu sehen. Ich arbeite in vielen Projekten und halte Vorträge für Nichtjäger und für Jäger zum gegenseitigen Verständnis.

Wenn wir Jäger weiterhin in der uns gewohnten Form jagen wollen, müssen wir unbedingt zwei Dinge ändern: Erstens die Meinung der Öffentlichkeit, indem wir Aufklärungsarbeit leisten - auf Teufel komm raus.
Und zweitens unsere eigene Ideologie, denn die ist die Basis dafür, wie uns die Öffentlichkeit wahrnimmt und damit auch die Basis für de Zukunft der Jagd in Deutschland.

Wie soll ein Büromensch vom Sinn und der Faszination der Jagd erfahren, wenn nicht wir Jäger es ihm vermitteln und er sich seine Meinung nur aufgrund von Zeitungsartikeln bilden kann?
Wo das hinführt, erleben wir ständig. Ich werde mich jedenfalls solange engagieren, bis jeder den Unterschied zwischen einem Reh und einem Hirsch kennt!
Es geht mir nicht darum, Jagdgegner zu missionieren, sondern das Basiswissen zu vermitteln, das auch mir früher selbst einmal fehlte.
Ich sammle jedenfalls weiterhin Igel von der Straße und pflege kranke Tiere gesund.

Und ich jage gern!

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Weiber-Offensive
Deutsche Jagdzeitung 3/2003

Das „Weiberrevier“ besteht erst seit Mitte 2002. Mit acht Jägerinnen
begann der
Verein für jagdliche Öffentlichkeitsarbeit. Über die Erfolgsstrategien,
sprach die DJZ mit der Präsidentin
Claudia Diewald.
1. DJZ: Claudia Diewald, wie kamen Sie zur Jagd?
Diewald: Auf großen Umwegen! Als Kind und Jugendliche hatte ich das, was
ich heute als „Bambi-Killer-Syndrom“ bezeichne: keine Ahnung von der
Jagd, falsche Vorstellung von den Jägern.
Mit Dreißig wurde ich durch meinen Beruf mit der Bewirtschaftung eines
Jagdbezirkes konfrontiert und war gezwungen, mich mit der Sache zu
befassen.
Das erste Aha-Erlebnis war die Erkenntnis, dass Jäger keine eiskalten
Tiermörder sind, sondern eher für das Wohl der Wildtiere sorgen.
Ich hab’ dann den Jagdschein gemacht, rein prophylaktisch sozusagen.
Aber als ich ihn in der Tasche hatte, gab’s kein Halten mehr.
2. DJZ: Warum engagieren Sie sich denn so sehr für die jagdliche
Öffentlichkeitsarbeit?
Diewald: Es gibt sehr viele Menschen, die gegen die Jagd sind. Aber
nicht aus Überzeugung, sondern einfach aus Unwissenheit.
Der Grund dafür liegt einmal in der emotionalen Manipulation durch die
Jagdgegner und zum zweiten, in der Unfähigkeit oder Gleichgültigkeit der
Jäger, etwas dagegen zu unternehmen.
Uns Jägern weht ein immer schärferer Wind ins Gesicht. Ich möchte, dass
die Jägerei als Bestandteil unserer Kultur anerkannt wird.
3. DJZ: Sind „Weiber“ die besseren Botschafter, stärker motiviert, oder was
treibt ausgerechnet Frauen dazu, sich so intensiv für die Erhaltung der
Jagd einzusetzen?
Diewald: Wir haben als Frauen einen natürlichen Vertrauensbonus, und den
machen wir uns zu Nutze! Ist doch ganz einfach… Nehmen Sie es bitte
nicht wörtlich, aber wir sind Jäger zum Anfassen!
Bei uns gibt es keine strenge Hierarchie, sondern jeder darf mitdenken.
Wir sind mit unseren Informationen da, wenn man uns braucht. Die Hälfte
unserer Mitglieder sind übrigens Männer.
4. DJZ: Sich dem Weiberrevier e.V. anzuschließen, bedeutet also nicht, sich
hinter den „Weibern“ zu verstecken?
Diewald: Ganz und gar nicht. Wir sind schließlich kein Emanzenclub und
froh über jeden Mann im Revier. Die Zusammenarbeit funktioniert
hervorragend. Wir haben kompetente ehrenamtliche Mitarbeiter, die an den
richtigen Stellen eingesetzt sind.
5. DJZ: Welche konzeptionellen Ziele stellte sich der Verein?
Diewald: Unser Zauberwort heißt Basisarbeit! Solange die deutschen
Bürger nicht den Unterschied zwischen Reh und Hirsch kennen und schon
gar nicht die Zusammenhänge in der Natur, können sie sich kein
objektives Urteil bilden. Information statt Manipulation ist die Devise.
Wir wollen Konflikte ausräumen, bevor sie entstehen.
Dabei geht es nicht allein um Jagd sondern ebenso um Naturschutz. Jeder
will die Natur schützen, aber kaum einer weiß so recht wie. Solange Igel
noch mit Milch „aufgepäppelt“ und Frösche in Pappkartons „behütet“
werden, wird das nichts. So schützt man die Natur kaputt!
6. DJZ: Wenn das Weiberrevier auch gute und qualifizierte Aktionen startet,
bleibt dennoch der Wirkungsbereich nur regional begrenzt?
Diewald: Nein. Wir haben bereits mehrere Regio-Member eingesetzt, die vor Ort unsere Aktionen vorbereiten und durchführen. Unterstützt werden sie durch unser gesamtes Know-how und gute Anleitung. Aber auch durch Schulungen (Rhetorikseminare, Medientraining und so weiter). Sobald es die finanzielle Situation des Vereins zulässt, werden wir sie auch budgetieren. Bis Ende des Jahres wollen wir in möglichst vielen Bundesländern vertreten sein.
7. DJZ: Im Sommer 2003 startet das Freizeitprojekt für „Jugendliche im
Jagdrevier“. Wo findet das statt?
Diewald: Dieses Pilotprojekt, das wir zusammen mit dem Paul Parey Verlag
ins Leben gerufen haben, unterscheidet sich dadurch von anderen
Ferienfreizeiten, dass bei uns wirklich gejagt und das Wild verwertet
wird. Der Veranstaltungsort und weitere Details werden in Kürze bekannt
gegeben.
8. DJZ: Wie wird die „Jagdreise für Nichtjäger“ organisiert?
Diewald: Schon pass
iert! Die erste Weiberrevier-Tour führt im Mai nach
Südafrika. Dort haben wir uns verschiedene Jagdranches angesehen und die
Makuto-Ranch ausgewählt, weil sie auch für Nichtjäger viel bietet.
Grundsätzlich werden die Nichtjäger aber in den Tagesablauf der Jäger
eingebunden. Das Projekt soll die Vorurteile gegen die Auslandsjagd
ausräumen.
Erste Anmeldungen liegen bereits vor ? liegt wahrscheinlich auch an den
super Konditionen.
9. DJZ: Das sind sehr aufwendige Aktionen. Wie finanzieren sie das?
Durch eine ausgeklügelte Marketing-Strategie. Das hat keinen kommerziellen Hintergrund, aber mit Mitgliedsbeiträgen alleine kann man das nicht schaffen. In unserem Online-Shop gibt es den eigens für das Weiberrevier kreierten Likör „Zicken-Zauber“ und passend dazu T-Shirts und Shorts mit Aufdruck „Zicken-Bändiger“. Durch unsere Gemeinnützigkeit kommen die Einnahmen restlos dem Vereinszweck zugute. Über Sponsoren freuen wir uns ganz besonders.
10. DJZ: Welche Erfolge kann das WR schon vorweisen, was registriert die
nicht jagende Bevölkerung, und wo wollen Sie noch einen Zahn zulegen?
Diewald: Unser Erfolg lässt sich nicht in Zahlen messen. Die Reaktionen
in der Bevölkerung und die Zugriffszahlen auf unserer Homepage zeigen
uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Das Interesse ist da. Besonders unser Auftritt in der Fernsehsendung
„Kochduell“ jüngst im ZDF hat für sehr viel positiven Wirbel gesorgt.
Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass das Thema Jagd öfter in
den Medien erscheint, aber nicht immer als Skandalmeldung, wie bisher.
11. DJZ: Das Weiberrevier arbeitet wie die Profis und nutzt modernste
Kommunikationstechnik?
Diewald: Wir sind uns sehr bewusst darüber, dass jede unserer „Taten“
eine Gratwanderung ist. Wir wollen die Jagd ja nicht ins Lächerliche
ziehen, sondern auf fröhliche und unkonventionelle Art darüber berichten
und damit etwas bewegen.
Unsere Strategien kommen nicht aus dem Bauch heraus. Sie sind fundiert
durch die Ergebnisse von Meinungs- und Trendforschungen, zum Beispiel
des Zukunftsinstitutes in Frankfurt.
Bei der Umsetzung werden wir von einer namhaften deutschen PR-Agentur
unterstützt.
Wir arbeiten effizient. Dazu gehört an erster Stelle das einwandfreie
Funktionieren der internen Kommunikation.
Unsere Sitzungen und Konferenzen finden beispielsweise online statt. Das heißt, von zu
Hause am Computer. Es funktioniert hervorragend. So werden Beschlüsse
nicht auf die lange Bank geschoben, sondern dann gefasst wenn es nötig
ist.
Unsere Mitteilungen erreichen die Mitglieder in nur wenigen Minuten.
Wir sind in der Lage schnellstmöglich zu reagieren, wenn’s mal irgendwo
brennt.
Bei uns gibt es keine „Rundschreiben Nummer 007/2003“, die von
Sekretärinnen getippt werden und per Schneckenpost an die Funktionäre
gehen; dort liegen bleiben und die Basis nie erfährt was Sache ist.
12. DJZ: Die Jagd in ein positives Licht zurückführen, heißt doch, die
Jägerschaft hätte in den letzten zehn Jahren eine wirksame jagdliche
Öffentlichkeitsarbeit verschlafen?
Diewald: Einzelne Jäger haben schon immer sehr viel für die Jagd und ihr
Ansehen getan. An „große Aktionen“ hat sich die Jägerschaft aber
anscheinend nie so richtig rangetraut. Es könnte ja nach hinten
losgehen.
Das Risiko muss man eben eingehen. Die Jägerei kann man durchaus unter
dem Label „Life-Style“ präsentieren, und an Seriosität wird sie dabei
nicht verlieren.
13. DJZ: Seit Mitte der 70-er Jahre wird eine Aufweichung der Rechtskreise
Naturschutz und Jagd betrieben. Kann man dennoch der Novellierung des
Jagdgesetzes mit Gelassenheit entgegen sehen?
Diewald: Keinesfalls. Aus diesem Grund haben wir ein Thesenpapier erstellt, mit dem wir Meinungen sammeln, die statistisch ausgewertet und den Ministerien zur Verfügung gestellt werden. Es handelt dabei nicht um die Vorlage für das neue
Bundesjagdgesetz. Die These 10 zum Beispiel ist vorgesehen für eigene Standpunkte der Teilnehmer. Wir wollten wachrütteln und das ist uns gelungen. Wir sind kein Verein, der sich auf Schadensbegrenzung beschränkt. Wir handeln weit im Vorfeld!
Damit hat das Weiberrevier den Ministerien jetzt schon ein Zeichen
gesetzt: So nicht! Wir bitten natürlich weiterhin um rege Teilnahme an
unserer Umfrage.
14. DJZ: Wie steht es Ihrer Meinung nach um die Zukunft der Jagd in
Deutschland?
Diewald: Im Moment sieht es nicht gut aus mit der Jagd in Deutschland.
Solange Gesetze von Menschen gemacht werden, die sich nie ernsthaft mit
der Materie auseinandergesetzt haben wird sich das auch nicht ändern.
15. DJZ: Ist die Pflege des jagdlichen Brauchtums im heutigen Zeitalter noch
wichtig, und gehört Ihrer Meinung nach der Begriff der Waidgerechtigkeit
überhaupt ins Jagdgesetz?
Diewald: Das jagdliche Brauchtum hat für mich persönlich einen sehr
hohen Stellenwert. Sonst wäre ich nicht Jäger sondern
Wildbestandsreduzierer. Es muss natürlich ständig innovatorisch
überarbeitet werden.
Die Waidgerechtigkeit ist ein zu verschwommener Begriff. Man sollte
einen neuen kreieren, der sich auch übersetzen lässt. Kein Mensch weiß im anderssprachigen Ausland, wovon wir reden. Die ganze Welt jagt nur
die Deutschen waidwerken.
16. DJZ: Nicht nur Printmedien interessieren sich für das „Weiberrevier“.
Auch Fernsehsender zeigen zunehmend Interesse. Ist da das Pulver nicht
bald verschossen?
Diewald: Das Pulver, das wir im Moment auf Lager haben können wir so schnell nicht verschießen.
In diesem Jahr ist „Auslandsjagd“ unser Schwerpunktthema. Daneben sind
wir hierzulande auf vielen Veranstaltungen vertreten. Eines der
Highlights wird sicher wieder „Natur neu erleben“ an Pfingsten auf der
Loreley. Bei „Frauen und Jagd“ gehen die Themen sowieso nie aus.
17. DJZ: Sie betreuen die Homepage, sind journalistisch tätig und haben
gerade mit dem ZDF gedreht. Entsprach das Ergebnis Ihren Erwartungen?
Diewald: Der Bericht „Im Weiberrevier auf Beutefang“ von Marion Geiger
war gelungen. Das Team vom ZDF war jung und offen und sehr motiviert. Der Film veranlasst zum Schmunzeln und der Zuschauer freut sich über unsere Informationen, die
er so vorher noch nie bekommen hat.
Wir suchen uns die Journalisten, mit denen wir zusammenarbeiten gut aus.
Wenn die Chemie nicht passt, hat es keinen Zweck. Die Gefahr, den „Raab der Woche“ zu bekommen wäre zu groß und wir lassen uns nicht verheizen.
So ein rühriger rasender Reporter wollte uns mal mit roten Pumps durch
den Wald schicken. Wir bewegen uns zwar oftmals im Grenzbereich, aber
solche Szenen sind nicht fürs Nachrichtenprogramm sondern für einen
Sketch geeignet. In solchen Fällen lehnen wir das Angebot halt ab.

18. DJZ: Weiblicher Charme ist allemal besser als ein erhobener Zeigefinger?
Diewald: Richtig! Es ist erschreckend, wie wenig die Bevölkerung über die Jagd
weiß und was so alles hinter der Jagdausübung vermutet wird.
Dabei macht es überhaupt keinen Sinn, sich lautstark über die Jagdgegner
zu beschweren oder resignierend zu schweigen.
Der einzig richtige Weg ist die Offensive! Diesen Weg werden wir weiter
gehen und freuen uns über jeden, der sich uns anschließt.

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Heißer Draht statt langer Leitung
Wild und Hund Online 2001

Seit drei Jahren betreut Claudia Diewald die erste Jagd-Hotline Deutschlands. Und leistet damit praktische Öffentlichkeitsarbeit vor Ort.

Von Sven Helmes
Hallo, hier ist die Jagd-Hotline des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz. Mein Name ist Claudia Diewald, wie kann ich Ihnen helfen?

Rund zweihundert Mal im Jahr klingelt das Telefon der Jagd-Hotline. Wer montags zwischen 19 und 21 Uhr und samstags von 11 – 13 Uhr anruft, hat die Pressesprecherin der Kreisgruppe Bernkastel-Wittlich selbst am Apparat. Außerhalb dieser Zeiten meldet sich der Anrufbeantworter. Oftmals rufen die Leute mit hochspeziellen Fragen an, so dass die engagierte Jägerin spontan keine Antwort weiß. Zwar verfügt sie mittlerweile über einen guten Stamm an Ansprechpartnern doch„oft telefoniere ich tagelang ’rum, bis ich eine Antwort gefunden habe. Wir hatten beispielsweise die Anfrage eines Immobileinmaklers der ein alleinstehendes Objekt in der Eifel vermitteln sollte. Ein potentieller Käufer wollte dort gewerblich Jagdhunde züchten und wollte wissen, welche Auflagen es dafür gebe.“ Auch verendetes Wild ist ein wichtiges Thema: „Dadurch, dass die Jagdhotline eine lokale Geschichte ist, können wir da natürlich schnell weiterhelfen. Ich habe eine Liste mit allen Jagdpächtern und ihren Revieraufsehern liegen, so dass das Wild meist innerhalb einer Stunde geborgen werden kann.“


Wann trifft man schon mal einen Jäger?

Geboren wurde die Idee zur Jagd-Hotline im Jahr 1998. Ziel war es, der Bevölkerung einen kompetenten Ansprechpartner an die Hand zu geben. „Wir veranstalten seit langem einen Kreisjägertag, auf dem sich die Jäger dem Kreis präsentieren. Und wir stellten fest, dass dort eine Menge Menschen mit Fragen auf uns zukamen, aber bisher einfach keinen Ansprechpartner hatten. Motto: Wann trifft man denn schon mal einen Jäger?“ erklärt Diewald.

Viele Jäger warnten sie damals. Sie wisse gar nicht, auf was sie sich einlassen würde und beschworen Bilder von nächtlichen Drohanrufen der Jagdgegner. Doch die sind bisher ausgeblieben. „Aufgeregt sind die Leute vor allem, wenn es um das Thema freilaufende Hunde geht – und um die entsprechenden Konflikte mit den Jägern. Doch wer erwartet, dass Diewald hier den Schmusekurs fährt, liegt falsch. „Ich bin nicht der Typ, der bei so einem Anruf dann klein beigibt und die Leute in ihrer Meinung bestätigt. Sondern ich sage denen dann schon, was Sache ist und wie die Rechtslage aussieht“, betont Diewald.

Anders sieht die Sache aus, wenn das Verhalten von Jägern oder Pächtern kritisiert wird. Dann hört sie aufmerksam zu: „Es ist immer wieder der Fall, dass sich Leute beschwerden. Beim ersten Mal höre ich mir das an. Beim zweiten Mal höre ich mir das sehr aufmerksam an. Und wenn sich die Anrufe häufen, dann erfolgt eine Reaktion. Die kommt dann aber nicht von mir, sondern vom Vorsitzenden der Kreisgruppe.“

Doch seit sie ehrenamtlich den Telefonhörer schwingt, hat die Pressesprecherin auch viel zu schmunzeln. Beispielsweise als eine bekannte Kinderbuchautorin sich meldete. Die hatte bereits neun Kinderbücher über die unterschiedlichsten Wildtiere geschrieben. Zur Präsentation ihres jüngsten Buches über den Hasen war die Autorin in die WDR-Sendung „Zeit für Tiere“ eingeladen worden. Und da sie bis dato noch nie einen lebenden Wildhasen gesehen hatte, bat sie Diewald um einen gemeinsamen Reviergang. Diese willigte ein, warnte aber, dass es durchaus passieren könne, dass sie keinen Anblick haben würden, da der Besatz durch Fuchs und Taggreife sehr gelitten habe. Die Autorin zeigte sich erstaunt. Sie war stets der Meinung, dass die Jäger zu viele Tiere schießen würden. Und hatte das den Kindern auch stets so vermittelt.


Den Mund zu voll genommen...

Oder der Fall, als ein Mann anrief und sich erkundigte wo er ein komplettes Reh her bekäme. Diewald erkundigte sich und konnte dem Mann zwei Stück mit 14 und 16 Kilo Wildbrett-Gewicht anbieten – und bot sich sogar an, das Stück vorbeizubringen. Als sie auf den Hof der angegebenen Adresse fuhr, war sie überrascht. Dort parkte ein nagelneuer Geländewagen mit „Jagdschutz-Aufkleber“. Die Haustür öffnete sich und heraus trat ein korpulenter Mann, ganz jagdgrün gewandet und mit umhängender Hundepfeife.

Des Rätsels Lösung: Der Jäger stammte aus dem Ruhrgebiet und hatte vor kurzem in der Nähe ein Revier gepachtet. Als Krönung seines ersten Jagdwochenendes im neuen Revier hatte der Mann seinen Freunden ein umfangreiches Wildessen versprochen. „Nun, er hatte den Mund wohl ein wenig voll genommen. Das ganze Wochenende ohne Anblick! Und da musste er sich halt was einfallen lassen“, schmunzelt Diewald.

Viele Fragen der Anrufer beschäftigen sich jedoch mit ganz banalen Fragen, die eigentlich jeder Jäger beantworten könnte; Niveau: „Hirschbock und Rehkuh“. Doch die Waidmänner gehen in Deckung, statt offensiv Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. So berichtet Diewald, dass es ihr nicht gelungen war, eine Fernseh-Reportage für die Deutsche Welle zu organisieren. Gezeigt werden sollte ein vier-Minuten-Beitrag über den Hubertustag. Das TV-Team wollte einen Jäger filmen, der sich Zuhause vorbereitet, zur Jagdgesellschaft fährt. Dort sollten stimmungsvolle Bilder entstehen, mit Fackeln und brennendem Lagerfeuer. Und dann sollten die Jäger zur Jagd aufbrechen. Schluss! Doch der Dreh kam nicht zu Stande, denn kein Pächter war bereit sein Revier für die Filmaufnahmen zur Verfügung zu stellen.

Doch die Aktivitäten der dynamischen Pressesprecherin sind mit der Hotline noch lange nicht erschöpft. Unter www.jagd-info-line.de findet man die Kreisgruppe im WWW. „Und zwar als eine der ersten Kreisgruppen überhaupt. Das Internet ist ein neues Kommunikationsmedium, von dem wir Gebrauch machen müssen. Im Unterschied zu unseren anderen Aktionen dient die Homepage aber in erster Linie zur Kommunikation innerhalb der Jägerschaft. In unserem Kreis gibt es mehrere Pächter aus dem Düsseldorfer Raum. Die finden hier dann auf einen Blick die für sie relevanten Termine, wie beispielsweise das Hegering-Schießen.“


...die Jäger waren nicht sooo blöd!

Woher Claudia Diewald all die Energie hernimmt, ist ein Rätsel. Schließlich hat die Frau auch noch einen anstrengenden Job: Sie betreut internationale Vermögensverwaltungsgesellschaften für eine deutsche Bank in Luxemburg. Was nicht nur einen Zehn-Stunden-Tag, sondern noch 180 Kilometer Fahrt bedeutet. Doch für kein Geld der Welt würde sie umziehen.

Durch ihren Beruf kam sie auch zur Jagd: Ursprünglich war sie den Jägern („aber nicht der Jagd“) gegenüber durchaus kritisch eingestellt. „Dann suchte mein Chef ein Anwesen mit Jagdgelegenheit. Es kam, wie es kommen musste: Der Mann war dauernd im Ausland unterwegs und ich hatte die Betreuung des 500-Hektar-Reviers am Bein. Und ich werde nie vergessen, als zum ersten Mal zwei Jagdgäste mit einer erlegten Sau aus dem Wald stolzierten. Wir hatten einen eigenen Aufbruchplatz. Und nun lag da dieses tote Tier und mich packte das kalte Grauen. Und in dem Moment, als ich mich verdünnisieren wollte, schnappt mein Chef mich am Schlafittchen und meint, ich solle zuschauen. Und siehe da, das war alles gar nicht so schlimm – und die Jäger waren auch nicht sooo blöd, wie ich immer gedacht hatte. Und irgendwann hat es mir dann ziemlich gestunken: Ich machte die gesamte Arbeit, aber schießen durfte ich nicht. Und deshalb habe ich mich zur Jägerprüfung angemeldet.“ Und stöhnt: „Wenn Du jagdlich nicht vorbelastet bist, hast Du mit der Ausbildung eine harte Zeit vor Dir!“ Und deshalb vermittelt sie auch Jagdscheinanwärter an geeignete Lehrprinzen und Jagdgelegenheiten an revierlose Jungjäger. „Bei uns steht niemand mit dem frischen Jagdschein da und muss sich fragen, was er damit soll“, erklärt sie stolz.

Mittlerweile jagt Diewald im eigenen Revier: vom Staat gepachtet, 100 Hektar groß. Hochwald mit Rehwild und Sauen. Da ist die Hilfe der beiden Jagdscheinanwärter Frank und Manfred gerne gesehen. Von den Jägern der Region hat das Revier längst den Spitznamen „Weiber-Revier“ bekommen. Denn nicht nur, dass dort eine Frau jagt, sondern darüber hinaus wird der Wald von einer Försterin betreut. Doch Claudia Diewald begegnet machohaftem Spott mit Ironie. All’ ihre Hochsitze tragen Männernamen. Und der neueste – errichtet von ihren beiden Jagdscheinanwärtern – besitzt eine angedeutete Terrasse, Vogelhäuschen, Satteldach und Schornstein(-attrappe).

Ihre Öffentlichkeitsarbeit empfindet die engagierte Jägerin durchaus als politische Tätigkeit. Und harsch kritisiert sie die langen Informationswege innerhalb des DJV: „Der DJV als Dachverband hat nur begrenzte Möglichkeiten. Oftmals erreicht er die Jäger an der Basis einfach nicht, denn über den Umweg über die Landesjagdverbände gehen viele Infos verloren. Von dort aus geht’ s an die Kreisgruppen-Vorsitzenden und dann an die Hegering-Leiter. Bis dann der einzelne Jäger die Info hat, sind drei Monate ins Land gegangen – und nur noch zehn Prozent der Info vorhanden. Wir brauchen eine neue, effizientere Struktur!“

So glaubt Diewald fest an das Prinzip der DJV-Doppelspitze. Jemand, der es versteht, im Hintergrund die politischen Fäden zu ziehen – und eine zweite Person, die den Verband in der Öffentlichkeit repräsentiert. Und warum sollte eine solche Person eigentlich keine Frau sein, fragt Diewald selbstbewusst.

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Operation Jagdschein
Wild und Hund 13/1999

Sehr geehrte Dame,

haben Sie schon einmal daran gedacht Jägerin zu werden?

Warum sind Sie dann immer noch Sammlerin?

Trauen Sie sich ruhig. - Die Jagd ist etwas Wunderbares.

Wenn Sie die Jägerprüfung geschafft haben, können Sie sich selbst beglückwünschen.

Aber bis dahin liegt ein weiter, holpriger, kalter, nasser, matschiger Weg vor Ihnen, der oftmals durch Dornen und Gestrüpp führt.
Gehen Sie Ihn. Es lohnt sich.

In der Jägerwelt werden Sie es nicht leicht haben, glauben Sie mir. Damit Sie nicht ganz so verloren dastehen wie ich es damals tat, hier ein paar Tips.

Zunächst müssen Sie sich überlegen warum Sie Jäger (die Verwendung der grammatikalisch männlichen Schreibweise in diesem Text dient ausschließlich der leichteren Lesbarkeit) werden wollen.
Danach wird man Sie sehr oft fragen.

Entstammen Sie einem alten Förster- oder Jägergeschlecht? Jagt man in Ihrer Familie bereits seit Generationen? Oder sind Sie gar Erbin einer Eigenjagd?
Na prima, mit dieser Voraussetzung kann kaum etwas schiefgehen.

Interessieren Sie sich eigentlich nur wegen Ihres Ehemannes für die Jagd und wollen den Jagdschein machen um ihre gemeinsamen Interessen zu verstärken und so auch mehr ihrer sonst getrennten Freizeitaktivitäten zu teilen?
Na ja, man wird lächeln, und dadurch daß man sicher ist, daß Ihr Mann Sie schon im Schach hält, freundlich und zuvorkommend mit Ihnen umgehen.

Oder haben Sie sich etwa ganz alleine dazu entschieden. Verkehren Sie womöglich nicht einmal in Jägerkreisen?
Oh Gott, da ist was faul. Die Reaktionen auf Ihr Vorhaben werden sehr differenziert sein. Wappnen Sie sich.

Genau für Sie ist dieser Artikel.

Sobald man sieht, daß Sie Interesse an dieser Männer-Domäne haben, werden die Spekulationen losgehen.
Wem will sie damit imponieren?
Mit diesen Fingernägeln kann die doch niemals ein Stück Wild aufbrechen.
Aber wie auch immer: Die Prüfung besteht die sowieso nicht.

Auch den Befürwortern der jagenden Frauen ist nicht immer zu trauen. Prüfen Sie, ob die Achtung die man Ihnen entgegenbringt ehrlich ist, oder nur Mittel zum Zweck. Zur Zeit wird das Thema Frauen in der Jagd in entsprechenden Kreisen überall aufgegriffen. Oftmals habe ich den Eindruck, daß dies nur geschieht um die Aufgeschlossenheit und Progressivität der Jägerschaft zu demonstrieren.

Aber tun Sie’s trotzdem!

Sammeln Sie Argumente. Und zwar Ihre eigenen. Sagen Sie ehrlich was Sie dazu bewegt, jagen wollen.
Kommen Sie bitte nie mit dem Begriff „Emanzipation“. Die ist so negativ behaftet, daß man sich als Frau damit wirklich keine Freunde macht.

Verleugnen Sie niemals Ihre Weiblichkeit.

Verunstalten Sie sich nicht mit irgendwelchen typisch männlichen Attributen (Bundeswehrparka) oder Ausdrucksweisen („und dann haben wir den Ärschen aus dem Nachbarrevier mal gezeigt wie man in einer Nacht vier Sauen erlegt), im Glauben, man übersieht, daß Sie eine Frau sind.

Sie wollen doch Vorurteile bekämpfen und nicht Ihre eigene Identität.

Überziehen Sie aber auch nicht das Feminine indem Sie z.B. mit Stöckelschuhen auf dem Schießstand erscheinen oder jeden dritten Satz mit „wir Frauen machen das aber soundso“ beginnen.

Seien Sie natürlich.

Und noch was:
Stellen Sie sicher, daß Ihr Lebenspartner Sie wirklich liebt. Sonst kann es Ihnen leicht passieren, daß er sich nach drei Monaten von Ihnen verabschiedet. Nur ein starkes Naturell ist in der Lage das vor Ihnen liegende Jahr mit Ihnen zu verbringen.
Bedenken Sie, daß Ihre freie Zeit nun ausschließlich zum Lernen da ist, aber lassen Sie es sich nicht soweit kommen, daß Ihr Partner sich irgendwann ein Hirschgeweih auf den Kopf montiert, um überhaupt noch von Ihnen beachtet zu werden.
Ich hatte das Glück, meinen Freund davon zu überzeugen, mit mir den Jagdschein zu machen und so verbrachten wir unsere Freizeit weiterhin gemeinsam. (Danke Frank!)

Bevor Sie sich zu einem Lehrgang anmelden, überlegen Sie sich genau wo Sie das tun wollen.
Es gibt mittlerweile hervorragende Jagdschulen in bestimmten Bundesländern, mit deren Ausbildung Sie in keiner Weise dem Wissensstand anderer Jagscheinanwärter nachstehen (obwohl dies noch häufig behauptet wird). Das Prüfungszeugnis wird in Ihrem eigenen Bundesland hundertprozentig anerkannt. Außerdem haben Sie hier die Möglichkeit den Jagdschein in Kompakt-Seminaren im Kreise Gleichgesinnter in kurzer Zeit zu absolvieren. Man wird Ihnen wenig prekäre Fragen stellen, Sie werden mühelos akzeptiert und haben so die nötige Ruhe zum Lernen. Allerdings geht hier der größte Teil Ihres Jahresurlaubes drauf. Aber für Urlaubsreisen haben Sie dann sowieso kein Geld mehr.
Als Folge werden Sie sich in Ihrer gewohnten Umgebung anschließend erst jagdlich etablieren müssen.
Wägen Sie ab.

Nehmen wir an Sie haben sich entschieden einen Kurs in Ihrer Nähe zu belegen.
Je nach Bundesland ist es erforderlich einen Lehrprinzen zu haben. Das ist eine Person die sie während des gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsjahres in der Praxis ausbildet, bevor Sie zur Prüfung antreten dürfen.

Suchen Sie Ihren Prinzen genauso sorgfältig aus wie einen neuen Teppich, schließlich werden Sie eine ganze Zeit lang mit Ihm verbringen.
Lassen Sie sich von der zuständigen Unteren Jagdbehörde eine Übersicht der „bestätigten Lehrherren zur praktischen Ausbildung von Jagdscheinanwärtern“ zuschicken und beten sie, daß unter den Herren auf dieser Liste eine Frau ist. Das wäre optimal.
Wenn nur Männer zur Auswahl stehen, führen Sie Gespräche. Es werden Ihnen Auskünfte erteilt wie z.B. „keine Zeit (aus verschiedensten Gründen)“, „da hat meine Frau was dagegen“, usw. Wichtig ist, daß der von Ihnen auserwählte Prinz die Kompetenz und die notwendige Zeit hat, Ihnen intensiv die Jagdpraxis zu vermitteln. Auf keinen Fall dürfen Sie sich auf einen Schein-Prinzen einlassen, der lediglich für Sie unterschreibt.
Im Selbststudium werden Sie das „Grüne Abitur“ nicht schaffen.
Bedenken Sie bei Ihrer Auswahl auch, daß man Ihnen mit jedem männlichen Jäger den sie mehr als zwei Mal zur Jagd begleiten, ein Verhältnis nachsagen wird.
Verlassen Sie sich auf Ihre weibliche Intuition und Sie werden die richtige Wahl treffen.

Die Arbeit des Prinzen ist ehrenamtlich, d.h. er wird für die Ausbildung nichts verlangen. Üblicherweise hilft man ihm im Gegenzug bei Revierarbeiten und fungiert im Herbst bei Treibjagden als Treiber.
Einige Jagdscheinanwärter haben schwere Bedenken, sich dadurch zum Lakaien zu machen. Das sehe ich nicht so. Betrachten Sie es als Kompensationsgeschäft, in dem sie zusätzlich praktische Erfahrungen sammeln.

Es ist empfehlenswert, sich vor dem ersten Kontakt mit anderen Jägern einige Dinge anzueignen, die Sie früher oder später ohnehin beherrschen müssen, z. B. die Jägersprache.

Wenn Sie gefragt werden, ob Sie auf den Schnepfenstrich gehen, dürfen Sie nicht mit hochrotem Kopf davonrauschen oder zu einer Ohrfeige ausholen. Schnepfen sind Vögel, und der Schnepfenstrich ist der Balzflug derselben. Auf eine solche Frage erwidern Sie, daß nach derzeitiger Regelung diese Jagd nicht erlaubt ist, und Sie haben gewonnen.
Man weiß Sie können mitreden.

Der Unterschied zwischen abbalgen, abschwarten und aus der Decke schlagen muß Ihnen geläufig sein und vor allen Dingen sagen Sie bitte nie Sie haben einen schönen Bock gesehen. Der Kommentar wird lauten: „Ein Weiberarsch ist schön, ein Bock ist stark“, und das wollen Sie sich sicher nicht antun.
Erschrecken Sie bitte nicht wenn ich Ihnen sage, daß die Jägersprache heute etwa 3000 gebräuchliche Wörter umfaßt. Sie müssen nur die wichtigsten kennen, das sind ca. 2950.
Je häufiger Sie sich mit Ihrem Prinzen unterhalten, um so geläufiger wird Ihnen die Sprache. Also keine Panik.

Zur praktischen Ausbildung gehört natürlich auch das Schießen.
Hier ist es besonders wichtig vor dem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit, sprich auf dem Schießstand, schon ein wenig heimlich geübt zu haben.
Das geht auch ohne Munition.
Viel wichtiger als das Treffen ist die Sicherheit mit der Sie eine Waffe in die Hand nehmen. Können Sie sich das Gefühl vorstellen, daß mich überkam, als ich zum ersten Mal in der Reihe der Schützen stand und nach meinem ersten Schuß einer hinter mir brüllte: „Holt doch die Frau vom Stand!“ Am liebsten hätte ich mich umgedreht, aber das ist mit der Waffe in der Hand ein Grund für lebenslängliches Schießstandverbot... Eine damalige Leidensgenossin konnte sich jedoch nicht verkneifen, ihrem ewig besserwisserischen und meckernden Ehegatten die Flinte tatsächlich vor die Füße zu werfen. Ich sah sie nie wieder.
Ich glaube nicht daß das Führen von Waffen jemals zu den charakteristischen Eigenschaften einer Frau gehören wird. Im Gegenteil! Bewaffnete Frauen werden wohl immer ein seltsames Phänomen bleiben. Betrachten Sie sich selbst als Individualist und sie werden sehen, wie sich Ihre Einstellung positiv auf andere überträgt.

Um mich an meine erste Büchse zu gewöhnen, plazierte ich Sie wochenlang im Bett neben mir.
Lachen Sie ruhig, aber Sie werden mir nicht wider-sprechen können wenn ich Ihnen sage, daß damit ein großes Vertrauensverhältnis zwischen uns beiden entstand. Ganz einfach weil ich sie andauernd umräumen mußte und dadurch ganz schnell lernte wie man sie anfaßt.

Es gibt nichts schlimmeres, als auf dem Schießstand zu stehen und jeder kann sehen wie unbehaglich man sich fühlt. Üben Sie deshalb zu Hause. Flinte, Büchse, Drilling, Pistole, Revolver. Für den Anfang genügt es, die Dinger richtig zu halten. Einzelheiten folgen im Unter-richt.

Halten Sie sich beim Schießtraining möglichst an Ihren Ausbilder. Auf dem Schießstand finden Sie mit Sicherheit einen erfahrenen Schützen, der bereit ist, Ihnen die Grundbegriffe beizu-bringen. Von den Jägern die ich kenne, hat jeder die beste Waffe, die beste Munition und vor allem die beste Schießtechnik.
Das nützt Ihnen aber nichts. Sie müssen Ihre eigene Technik entwickeln. Bei der Auswahl der Waffe vertrauen sie einem kompetenten Büchsenmacher. Wenn Sie eine passende Waffe besitzen und die Technik heranreift, werden Sie mit jeder Munition treffen.
Vergessen Sie nicht, daß jeder Schütze schwarze Tage auf dem Schießstand erlebt. Wenn es Sie trifft, tun Sie um Himmels Willen eines nicht: weinen!
Die Anstrengungen der letzten Wochen und Monate wären genauso dahin wie die Ernsthaftigkeit in Ihrer jagd-lichen Zukunft, oder möchten Sie, daß man Ihnen Hilfe bei dem Besteigen eines Hoch-sitzes oder dem Zerlegen Ihrer Flinte anbietet.

Um Ihr Lernprogramm effizienter zu gestalten, tun Sie sich mit anderen Anwärtern zusammen. Ge-meinsam lernt es sich besser und die Gemeinschaft wird gefördert.
Scheuen Sie sich nicht Fragen zu stellen.
Die Leute mit denen Sie jetzt in einem Boot sitzen haben die gleichen Probleme wie Sie. Jeder kennt mittlerweile sein Schokoladenfach und man kann sich gegenseitig sehr helfen.

In der Zeit vor der Prüfung sollten Sie sich nichts vornehmen. Das Lernen wird Ihre ganze Zeit in Anspruch nehmen. Wenn Sie trotzdem glauben in Urlaub fahren zu müssen, dann buchen Sie nicht unbedingt Mallorca sondern eher eine Reise in die Scottish Highlands.
Und vergessen Sie Ihre Bücher nicht.

Wenn Sie sich also richtig dahinter klemmen werden Sie die Prüfung bestehen.

Einige Menschen werden dann Ihre Meinung revidieren müssen. Die meisten tun dies auf ehrliche Art.

Waidmanns Heil!

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Jagdschein - und nun?
Wild und Hund 13/1999

Hallo Jungjägerin,

Sie haben es also geschafft und gehören zu dem auserwählten Kreis der Waidmänner.
Stören Sie sich nicht an der Formulierung, es wird wahrscheinlich niemals Waidfrauen geben.

Dies ist die Zeit, in der öffentlich bekannt wird, daß Sie Jägerin sind und es kann Ihnen passieren, daß Ihre Mitmenschen auf diese Tatsache recht negativ reagieren.
Außer den gewöhnlichen Opponenten, die Sie täglich im Büro treffen, gehen mittlerweile ganze „Aktions-Bündnisse“ sehr militant gegen die Jägerschaft vor.

Da Sie eine Frau sind, wird Ihnen der Umgang mit den Jagdgegnern nicht schwer fallen. Ihre Argumente haben nachweisbar einen höheren Stellenwert als die der männlichen Vertreter der Spezies Jäger. Beziehen Sie sachlich und bestimmt Stellung und man wird Sie in Ruhe lassen.

Nun halten Sie Ihren frisch gelösten Jahresjagdschein und eine Einladung zur Ansitzjagd in der Hand und es ist Ihnen erstmals gesetzlich erlaubt, mit einer Waffe und der dazugehörigen Munition in ein Revier zu fahren und dort die Jagd auszuüben.

Wenn Sie im Unterricht gut aufgepaßt haben, werden Sie wissen worauf Sie zielen und wann Sie den Zeigefinger krumm machen dürfen oder nicht.

Eines Tages wird es dann soweit sein, daß Sie einen Überläufer in Anblick bekommen, ihn als jagdbar ansprechen und erlegen.

Ich weiß nicht was in diesem Moment in Ihnen vorgeht.

Auf mich stürzen unendlich viele Emotionen ein, die ich nicht bereit bin zu unterdrücken. Genauso wenig wie die Tränen, die mir bei der Betrachtung meiner Beute übers Gesicht kullern.
Die Spannung, die sich nach einem erfolgreichen Schuß löst ist einfach überwältigend. Warum soll ich mich zusammenreißen?
Meist bleibe ich noch eine Weile bei meiner Beute, bevor ich mit dem Aufbrechen beginne.

Es würde mich interessieren, wie Sie reagieren.


Bevor Sie eine Einladung zur Treibjagd annehmen, sollten Sie unbedingt mit der Technik des Aufbrechens vertraut ein, denn in diesem Fall ist die Umsetzung der Theorie in die Praxis besonders schwer.

Hier stehen Sie mal wieder als Frau im Mittelpunkt.

Ersparen Sie sich die Blamage, mit gewetztem Waidmesser, umringt von anderen Jagdteilnehmern, vor einem Rehbock zu stehen und zu fragen „Wo soll ich denn jetzt anfangen?“.
Leider versagt!

Es ist keine Schande, sich beim Aufbrechen des Schlosses helfen zu lassen, aber überlassen Sie nie das ganze Stück einem Anderen, auch wenn man es Ihnen anbietet. Man wird es Ihnen (wie jedem anderen, der das tun würde) verübeln, denn das ist nicht waidgerecht.

Pflegen Sie das jagdliche Brauchtum, soweit Sie es mit Ihrer Einstellung vereinbaren können, aber lassen Sie sich nicht auf alle „Riten“ ein.
Es gibt beim Schüsseltreiben verschiedene Tisch- und Trinksitten verbunden mit einem Jagdgericht.
Hierbei folgen als Strafen kleine Geldbußen oder das Stiften einer Runde Hochprozentigem.
Für besonders schwere Vergehen gibt es „Pfunde“, das ist ein Schlag mit einer blanken Waffe auf das Hinterteil des Sünders.
Das alles können Sie sich ersparen, wenn Sie waidgerecht jagen.

Wenn Sie Ihr erstes Stück erlegt haben, werden Sie zum Jäger geschlagen. Das ist im Grunde eine feierliche Zeremonie, die allerdings, je nach Region manchmal recht derbe Formen annimmt.
Wenn Sie Angst vor Schweißflecken auf Ihrem Barbour-Jackett haben, dann ziehen Sie es zur Treibjagd lieber erst gar nicht an.

Und kommen Sie möglichst nicht mit dem eigenen Wagen. Nach der Jagd ist es nämlich nicht verboten, Alkohol zu trinken, wobei das Tottrinken nicht bis zur einseitigen Gesichtslähmung und dem Verlust der Muttersprache führen muß. Das macht besonders bei Frauen keinen guten Eindruck.

Es ist üblich, dem Jungjäger seine erste Beute zu überlassen. D.h. Sie nehmen ein Stück Wild mit nach Hause, das zum Verzehr bestimmt ist.
Sie müssen es also (im Falle eines Wildschweines) auch noch auf Trichinen untersuchen lassen, abschwarten und zerwirken, und zwar so, daß es anschließend nicht nur für Gulasch taugt. Aber das zu beherrschen ist keine Kunst.

Wenn Sie es nun auch noch schaffen aus einem Wildschweinbraten einen kulinarischen Leckerbissen zu zaubern, sind Sie unschlagbar.

Laden Sie zu diesem Festessen Gäste ein und versäumen Sie es nicht im Angesicht des Bratens auf dem Tisch, noch einmal die Ereignisse, die zu diesem Genuß führten, Revue passieren zu lassen.

Sie haben es selbst erlegt, aufgebrochen, abgeschwartet, zerwirkt und zubereitet.

Dazu ist längst nicht jeder Jäger im Stande.

Genießen Sie Ihren Erfolg und Ihren Braten.

Um politisch und praktisch auf dem Laufenden zu sein, werden Sie sicher an entsprechenden jagdlichen Veranstaltungen teilnehmen.

Der Hegering ist meines Erachtens eine sehr wichtige Organisation, in der man sich auf jeden Fall engagieren sollte um eine erfolgreiche Hege durchführen zu können, was ohne den Kontakt zu den Nachbarrevieren kaum möglich ist.

Hüten Sie sich vor Revierinhabern, die etwas anderes behaupten.

Hier entstehen Diskussionen, werden gute und schlechte Erfahrungen ausgetauscht, und Sie werden feststellen, daß sie mitreden können.

Also tun Sie es auch.

Möglicherweise geht es Ihnen wie mir, und man wird irgendwann auf Sie zukommen um Sie zu fragen ob Sie nicht an der ehrenamtlichen Mitarbeit in einer Organisation interessiert sind.

Überlegen Sie die Antwort nicht zweimal!

Mischen Sie mit und beweisen Sie, daß Sie nicht die Quotenregelung sind, sondern eine kompetente Jägerin.
In Jagdverbänden gibt es, wie im richtigen Leben, oftmals Situationen, die von femininer Hand besser zu meistern sind.

Apropos feminin: Wenn es um den Bau von Hochsitzen oder anderer körperlicher Arbeit im Revier geht, bekomme ich heute noch zu hören: Das ist doch keine Frauenarbeit. Es gibt immer noch Jäger, die verständnislos mit dem Kopf schütteln, wenn sie mitkriegen, daß ich Jagdaufseher bin. „Wie will die das denn schaffen?“ ist der Kommentar. Es wundert sich aber keiner darüber, daß ich zwei Söhne großziehe, einen Haushalt bewirtschafte und außerdem einen Full-Time-Job in hundert Kilometer Entfernung habe. Meine Abende verbringe ich größtenteils mit Verbands- arbeit und ob Sie es glauben oder nicht, ich fühle mich nicht überbelastet und freue mich über den Ausgleich im Revier.

Als Fazit kann ich Ihnen sagen, für ein Leben als Jägerin brauchen Sie die Konstitution eines Ackergauls und die Ausdauer eines Dieselmotors.
Man muß sich oftmals den Mund fusselig reden, bis die Männer begreifen, daß man ihnen als Frau jagdlich in nichts nachsteht.

Im Gegenteil:
Vor zwei Jahren wollte ich ein Wildschwein abscharten. Weil es mir im Kühlraum zu kalt war, umfaßte ich den Schwarzkittel mit beiden Armen, hob ihn aus dem Haken und wollte ihn draußen genauso wieder aufhängen. Dummerweise war die Schiene vor der Tür 20cm höher angebracht und es war mir unmöglich die Sau so hoch zu heben. Als ich also da stand, mit der Wildsau im Arm, kamen zwei Elektriker aus dem Haus und ich freute mich schon auf die Hilfe dieser „starken Männer“, denn die Sau wurde langsam schwer.
Anstatt mir zu helfen, verzogen sie angewidert die Gesichter und suchten das Weite.
Bingo!
Ich ließ die Sau fallen, befestigte sie mit den Läufen am Frontlader unseres Schleppers und zog sie so hoch. Das geht auch.

Ich habe mich damit abgefunden, als grüner Exot in unserer schönen Natur herumzulaufen und bin über-zeugt davon, daß sich hier nie etwas ändern wird. Frauen werden in Jägerkreisen zwar mehr oder weniger will-kommen sein, sich aber niemals vollkommen eta-blieren. Die Jagd ist und bleibt eine Männer-Domäne. Das ist allerdings kein Grund aufzugeben. Auch Rand-erscheinungen können was bewirken.

Wenn ich die Hubertus-Jünger frage, ob ihre Frauen kein jagdliches Interesse haben, bekomme ich oftmals die Antwort: „Gott sei Dank nicht! Stellen Sie sich das mal vor; jeden Abend den Streit darüber wer auf welche Kanzel geht oder wer zu Hause bleiben muß wegen der Kinder. Die soll sich auf die Zubereitung konzentrieren.“ Ist das etwa Jagdneid? Das würde ja heißen, man traut uns Frauen zu, passionierte Jäger sein zu können. Na das ist doch ausbaufähig.

Daß wir jagenden Frauen als nicht zu beachtende Minderheit gelten werden Sie feststellen sobald Sie sich das erste Outfit anschaffen wollen. Jagdstiefel für Frauenfüße? Na dann suchen Sie mal schön. Schauen Sie sich die Kataloge der größten Jagdausstatter doch mal an. Jagdmoden für Damen sind immer noch rote Dirndls und Rüschenblusen. Man müßte wirklich mal damit bei einer Gesellschaftsjagd erscheinen. Wenn Sie tatsächlich auf Seite 322 links unten eine Damenhose in Jagdgrün finden, dann ist sie wahrscheinlich kaum erschwinglich weil aus feinstem Ziegenleder.

Der Tag an dem der erste Katalog mit Damen-Jagdmoden erscheint, wird für mich ein Feiertag. Nicht nur weil ich dann nicht mehr mit Männerhosen zur Schneiderin rennen muß, die dann in einer hochkünstlerischen Phase etwas einigermaßen tragbares für mich zaubert, sondern weil wir dann in der Entwicklung einen deutlichen Schritt weiter gekommen sind. Man hat uns bemerkt.

Ebenso freue ich mich auf die Herausgabe der Zeitschrift „Die Jägerin“. Das erste Exemplar könnte ich schon alleine mit Erlebnissen rund um die Jagd füllen. Der Markt dafür ist sicher da, wenn er auch anfangs überwiegend aus Jägern bestehen würde, die sie als Witzlektüre zum Stammtisch mitnehmen. Für den Anfang wäre ich auch schon zufrieden mit einer Frauen-Sparte in den gängigen Jagdzeitschriften.

Auch andere Jagdlektüre ist noch ausschließlich auf den männlichen Leser ausgelegt. Folgender Witz ist zu lesen in einem humoristischen Jagdbuch:
Frage: Wie kommen Nerze an Junge?
Antwort: So wie Frauen an Nerze!

Ich bin keine Emanze, um das noch mal klar zu stellen, aber ein gewisses Gleichgewicht in der Thematik kann man doch verlangen.
Warum liest man nicht im gleichen Buch zwei Seiten weiter folgenden Witz:
Ein Jäger erlegt ein Wildschwein, packt seine Beute an den Hinterläufen und zieht sie unter schwerster Anstrengung zum Abtransport in Richtung Auto. Da kommt eine Jägerin und empfiehlt Ihm, die Sau an den Vorderläufen anzufassen, da sie sich dann viel einfacher ziehen läßt. Als sie außer Sichtweite ist versucht er es und siehe da, die Sau gleitet wie Butter über den Boden. Nach einer Viertelstunde bleibt er verdutzt stehen und denkt. Naja, ziehen läßt die Sau sich ja prima, aber irgendwie komme ich immer weiter vom Auto weg.

Ich habe auch nichts gegen vollbusige Blondinen auf der Titelseite von Waffen-katalogen, aber warum ist nicht mal ein knackiger Männerhintern zu sehen?

Mein hohes Ziel ist es, in unserer Kreisjägerschaft den Frauenanteil von knapp 4 Prozent auf 10 Prozent anzuheben.
Keine Frage, es wird nicht leicht. Vor allem dann nicht, wenn man den Damen vorher erzählt was sie wirklich erwartet:
Ein ewiger Kampf gegen Vorurteile auf dem weiten, holprigen, kalten, nassen und matschigen Weg durch die Dornen und das Gestrüpp eines glücklichen Jägerlebens.

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