"Meine Religion ist die Jagd!"
Gegen nichts auf der Welt würde ich sie tauschen. Diana hat mich zwar ziemlich spät gerufen, aber dafür umso lauter.

Während meiner Ausbildungszeit habe ich irgendwann ein Gelübde abgelegt, "Wenn ich die Prüfung bestehe, werde ich mich für die Jagd engagieren.", und so hatte ich kurze Zeit später schon den ersten Posten als Schatzmeisterin in der Kreisjägerschaft. Als Immobilien- und Vermögensverwalterin war das "schatzmeistern" mein Job. Tagsüber in der Bank - Abends für den Verein.
Als Ausgleich bastelte ich an einem Konzept für erfolgreiche jagdliche Öffentlichkeitsarbeit. Trotz der Warnung vieler Jagdkollegen vor Unanehmlichkeiten mit Jagdgegnern, startete ich schon bald die erste Initiative:
Die erste Jäger-Hotline Deutschlands.
Damit sollten der Bevölkerung die Berührungsängste genommen werden und der Plan ging auf. Unzählige Anfragen zu Wildtieren, Jagdrecht, Jägerprüfung oder Naturschutz gingen ein. Nur eines nicht: Anrufe von Jagdgegnern.
Die Einrichtung einer Hotline kann ich nur empfehlen - es müsste sie flächendeckend in Deutschland geben. Denn leider kann ich von Rheinland-Pfalz aus nicht weiterhelfen, wenn zum Beispiel in Bayern ein Wildunfall passiert.
Das Konzept für diese Einrichtung können sie gerne anfordern.

Schon kurz nach dem Entschluss, die Jägerprüfung zu machen, folgte ein zweiter. Ich würde alles daran setzen, ein eigenes Revier zu pachten. Als prioritäre Anforderung stellte ich nur die räumliche Nähe.Hunderte von Kilometern ins Revier zu fahren, hatte ich weder Zeit noch Lust.
Das Beste, das ich erwischen konnte, war ein Pirschbezirk vom Staat. Ein wunderschönes 100 Hektar Waldrevier im Hunsrück. Leider nahm es der zuständige Forstamtsleiter etwas zu genau mit der Regiejagd. Er untersagte jegliche biotopverbessernde Maßnahmen und für den Bau eines Hochsitzes musste ich einen dreiseitigen Vertrag unterschreiben. So hatte ich mir "meine" Jagd nicht vorgestellt...
Der Revierförster war eine Revierförsterin und so wurde mein Pirschbezirk schon bald von den Jagdkollegen liebevoll "Weiberrevier" genannt- ein folgenträchtiges Omen.

Mit Eintritt meiner Jagdpachtfähigkeit (3 Jahre Jagdscheininhaber) wurde ich auch gleichzeitig Lehrprinzessin.(Im Amtsdeutsch heisst es "Lehrherrin".) Ich bilde Jagdscheinanwärter in Rheinland-Pfalz aus und versuche, ihnen einen guten Start ins Jägerleben zu ermöglichen. Dazu gehört nicht nur die prüfungsrelevante Praxis, sondern auch die richtige Einstellung zur Sache - vor allem zu den Wildtieren. Auch auf das jagdliche Brauchtum wird hier noch Wert gelegt. Während der Ausbildung wird der Jäger als solcher geprägt - Sonntagsjäger haben wir genug.

Zusammen mit einigen Jägerinnen gründeten wir in dieser Zeit ein Projekt für jagdliche Öffentlichkeit und tauften es: Weiberrevier.Die Resonanz auf unsere Aktivitäten war so gewaltig, dass aus diesem Projekt innerhalb von wenigen Monaten ein eingetragener gemeinnütziger Verein entstand, dessen Vorsitz ich übernahm. In drei Arbeitsbereichen sind wir tätig:
Im Internet stellen wir umfangreiche Informationen zur Jagd und eine Diskussionsplattform für Jäger und Nichtjäger zur Verfügung.
An der Basis veranstalten wir Kreativtage für Kinder und Jugendliche und nehmen jederzeit interessierte Erwachsene mit ins Revier.
Für die Medien sind wir Ansprechpartner in allen Fragen rund um Jagd, Wild und Natur.
Die Homepage des Weiberrevier® e.V.finden Sie hier: www.weiberrevier.com

Heute bin ich Pächterin in einem 500 Hektar Revier im Hunsrück und freue mich, dieses kleine Fleckchen Erde mit all seinen Tieren und Pflanzen zu bewirtschaften.

Meinen Job habe ich längst an den Nagel gehängt. Stattdessen jage ich mich wachsender Begeisterung durch die Welt. Was ich gemacht habe, bevor ich Jägerin wurde, weiss ich schon gar nicht mehr...

Nur an zwei Glanzleistungen aus dieser Zeit erinnere ich mich täglich:
meine beiden Söhne Damian und Laszlo.

Nur für sie würde ich noch mehr tun als für die Jagd.

Claudia Diewald