Ich interessiere mich sehr für fremde Kulturen - besonders die Jagdkulturen!
Der Grund für meine vielen Jagdreisen ins Ausland sind die unterschiedlichen Jagdformen. Andere Farben, anderes Gelände, andere Vegetation und andere Tierarten sind jedesmal eine neue Herausforderung. Mit meinen Jagfreunden bereise ich immer wieder die schönsten Fleckchen dieser Erde.
Alle meine Reisen habe ich auf Empfehlung meiner Jagdfreunde unternommen und bin dadurch vor bösen Überraschungen verschont geblieben.
Die hier genannten Adressen sind meine persönlichen Empfehlungen. Falls Sie weitere Informationen haben möchten, rufen Sie mich an oder mailen Sie: info@claudiadiewald.net

Ganz interessant ist auch die Seite www.jagdfreunde.com . Dort können Sie kostenlos Jagdangebote und Gesuche veröffentlichen.

Südafrika
-
Weiberrevier-Safari
- Wonder-Warthog

Island
- Jagen im Niemandsland

Weitere Reiseberichte folgen in Kürze.

 

 

Weiberrevier-Safari

Die Weiberrevier-Safari für Jäger und Nichtjäger. Am 20. Mai 2003 startete die erste Truppe ins Abenteuer Südafrika. Gefolgt von Trupp 2 am 26. Mai.

Schon am Flughafen Frankfurt konnte niemand unsere Mission übersehen. Das ganze Safari-Team im Tropen-Outfit und bestens gelaunt.
Die meisten Flüge nach SA sind Nachtflüge. So kommt man morgens einigermaßen ausgeschlafen und ohne Jet-Leg an. Zeitverschiebung gibt es nur in den Wintermonaten eine Stunde.

 


Zweieinhalb Autostunden nördlich vom Airport Johannesburg liegt die Makuto-Ranch.
Während der Fahrt musste ich zwischen kurzen Schläfchen immer wieder Detailfragen zum Tagesablauf eines Jägers in der Wildnis beantworten. Und so kam es, dass unsere Begleiter nach der langen Reise, bei der Ankunft auf der Ranch, auf einen erfrischenden Sprung in den großen Pool verzichteten, und stattdessen darauf drängten, dass wir endlich die Waffen einschießen. Das hatte man schon als oberste Priorität bei Jagdreisen verstanden.

 

 

Schließlich kann die Waffe beim Transport einen Schlag abbekommen haben, der die Treffpunktlage verändert. Dieses Risiko auszuschließen, lag unseren Nichtjägern besonders am Herzen. Thomas, der Rancher, begleitete uns zur Schiessbahn und nachdem wir unsere Kontrollschüsse absolviert hatten, durfte selbstverständlich jeder ein paar Schüsse auf die Scheibe abgeben. Arno, als Inhaber einer Sicherheitsfirma mit Waffen vertraut, legte mit 28 Ringen bei drei Schuss vor. Nathalie, die bereits einen Weiberrevier-Schnupperschiesskurs belegt hatte, folgte gemeinsam mit Udo mit 26 Ringen und sogar Moritz, der mit seinen 16 Lenzen noch nie eine Waffe in der Hand hatte, schaffte es auf 24 Ringe.


„Ihr dürft nicht vergessen,“ referierte Thomas, „dass der Schuss auf die Scheibe etwas anderes ist, als wenn der Jäger lebendes Wild schießt.“
Allgemeines Kopfnicken und zustimmendes Gemurmel.

 

 

 

Nach dem Mittagessen wurde der Plan für den Rest des Tages festgelegt. Keine Hektik - kein Stress! Wir sind alle hier zum Genießen.
Hier das Weiberrevier-SA-Team:

Claudia
Paul
Peter
Moritz
Arno
Thomas
Karin
Nathalie

(von links oben)


Thomas wollte gegen Abend mit den Gästen eine Erkundungsfahrt machen, während ich den Auftrag erhielt, zusammen mit Arno das Abendessen zu besorgen. Ein Impala – jung und weiblich.

Wir saßen muckmäuschenstill in einem Unterstand am Wasserloch und warteten geduldig. Für die Fleischbeschaffung ist das die effektivste Art zu jagen, denn schließlich hatten wir den verantwortungsvollen Auftrag, Lebensmittel zu besorgen. Zwei Stunden lang beobachteten wir das Treiben der verschiedensten Vogelarten bis wir plötzlich Bewegung in den nahe gelegenen Büschen sahen. Graue Schatten bewegten sich in unsere Richtung. Arnos Augen wurden groß und größer und er schaute abwechselnd mich und meine Waffe an. „Das sind Wasserböcke.“ flüsterte ich. Aber siehe da – den Wasserböcken folgte eine ganze Impalaherde.
Ich suchte mit ein junges Tier heraus und wartete, bis die Schussentfernung stimmte. Ich erlegte das „Küchen-Impala“ mit einem sauberen Schuss und wartete gespannt auf Arnos Reaktion. Der saß neben mir und hielt sich immer noch die Ohren zu, das erlegte Stück fest im Auge. „Ich dachte, du schießt noch mal. Du hast doch repetiert.“ sagte er. Ich ermahnte ihn, leise zu sein, weil einer der Wasserböcke nicht abgesprungen war und es vermieden werden soll, dass die Tiere den Schuss mit Menschen in Verbindung bringen. Das Repetieren nach dem Schuss, erklärte ich ihm, mache ich automatisch um im Notfall, sollte das Wild nicht tödlich getroffen sein, sofort nachschießen zu können.
Wir warteten bis der Wasserbock im Busch verschwunden war und fuhren mit unserer Beute zurück zum Camp.

Alle standen um die schwarzen Jagdhelfer herum und beobachteten, wie das Wild versorgt wurde. Keinerlei Berührungsängste waren den Nichtjägern anzumerken. Sie fanden es einleuchtend, dass man ein Tier zuerst töten muss, um es essen zu können.

 

Abends am Lagerfeuer wurde berichtet, was man auf der Erkundungsfahrt auf der Ranch gesehen hatte. Kudus, Gnus, Blessböcke und sogar Giraffen. Und das alles am ersten Tag.

 

Am nächsten Tag begleitete Nathalie mich.

Für Paul war dies die erste Afrika-Jagdreise und er hatte sich vorgenommen, auf Impala, Blessbock und Warzenschwein zu jagen. Ich selbst wollte Raubwild bejagen und, wie seit Jahren, auf meinen Lebenskeiler warten. Vorsorglich hatten wir den Aufbruch vom Vortag ausgebracht und wählten einen sehr hohen Hochsitz, damit Schakale oder Buschkatzen keinen Wind von uns bekommen sollten. Alles was wir sahen waren Warzenschweine – aber nicht meinen Lebenskeiler. Als kurz vor Einbruch der Dunkelheit in der Nähe ein Schuss fiel, baumten wir ab. Das konnte nur Paul gewesen sein. Und so war es auch. Seine erste afrikanische Beute war der ersehnte Blessbock.


Ausser verschiedenen Ausflügen nach Suncity und ins Pilanesberg Naturreservat war auch ein paar Jagdtage mit Peet, Nolte und Teuns, den afrikanischen Berufsjägern, vorgesehen. Der Besitzer einer nahe gelegenen Farm hatte die Jäger um Hilfe gebeten.
Wir fuhren gegen Abend zu einer Rinderfarm mit Maisanbau und wurden von dem Farmer und seiner Familie aufs herzlichste begrüßt. Der Farmer freute sich besonders uns zu sehen. Er hatte bereits große Schäden in den Feldern. Während Nolte und ich versuchten, meinen Lebenskeiler zu finden, fuhren die anderen zu einer kleinen Drückjagd im Mais.
Als jagdliche Einrichtung dienen auf der Farm Gebilde, die einem Termitenhügel zum Verwechseln ähnlich sehen


. In einen solchen Hügel verkrochen Nolte ich ich uns und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Wir sahen hunderte von Perlhühnern. Oryxe kreuzten den Weg und Warzenschweine ohne Ende. Allerdings keinen starken Keiler.
„Wir waren zu spät dran.“ Stellte Nolte fest. „Morgen müssen wir früher sitzen.“
Am nächsten Tag bezogen wir um die Mittagszeit den Termitenhügel. Aus Spaß zählten wir die Warzenschweine mit. Nach Nummer 85 entstand eine Pause. Es war 15 Uhr, die Zeit zu der wir aufbrechen wollten. Um zwei Oryxe, die wenige Meter von unserer Deckung entfernt ästen, nicht zu verschrecken, beschlossen wir, noch zu warten, bis sie weggezogen waren.
Da kam Warzenschwein Nummer 86 aus dem Busch, eine starke Bache, gefolgt von Nummer 87, einem überdimensionalen Keiler! Blitzschnell hatte ich die Waffe im Anschlag und den Keiler im Fadenkreuz.
Er stand wie im Bilderbuch. Genau in dem Moment, wo ich schießen wollte kam eine zweite Bache dazu und stellte sich exakt vor den Keiler, von dem nun nur noch der Kopf zu sehen war.
Jetzt wurde Nolte nervös. Er war nicht sicher, ob ich die Bache gesehen hatte. Wenn man nicht genau hinsah, konnte man die zwei wirklich für eins halten.
Ich blieb ganz ruhig im Anschlag und wartete. Die Waffe wurde immer schwerer, die Spannung stieg. Welches Schwein würde sich zuerst, wie schnell und in welche Richtung bewegen? Diese Chance durfte ich nicht verpassen. Das würde ich mir nie verzeihen. Und Nolte mir wahrscheinlich auch nicht.
Ich konzentrierte mich auf den Keiler bis ich das Gewicht meiner Waffe nicht mehr spürte. Endlich zog die Bache den ersten Schritt vor. Der zweite folgte und langsam verschwand sie nach rechts aus meinem Glas. Jetzt ist es soweit.
Der Schuss krachte, der Keiler machte eine hohe Flucht und ich geriet in Panik, weil ich befürchtete, ihn angeschweißt zu haben. Ich repetierte in rasanter Geschwindigkeit und bevor ich die Waffe wieder an der Schulter hatte war Stille.
Da lag er. Nach einer kurzen Flucht von zwanzig Metern. Sauber getroffen.

Nolte hüpfte aus unserem Versteck.
Ich folgte ihm langsam und bedächtig zu dem Keiler und versuchte jeden Augenblick dieses Abenteuers zu speichern. Ich wusste, dass ich von diesem Erlebnis den Rest meines Jägerlebens zehren würde.
Eilig wurde der Farmer informiert und kurze Zeit später stand eine handvoll Männer andächtig um den Warzenkeiler herum.

 


Ausser Jagen stand natürlich auch Faulenzen auf dem Reiseprogramm.
Moritz vertrieb sich die Zeit beim Angeln. Er hat in Deutschland schonmal Jäger begleitet aber ihn beeindruckten die großen Tiere Afrikas. Besonders die Elefantenherden im Pilanesberg Naturreservat. Aber auch die großen Wasserböcke auf der Farm gefielen ihm gut.
Nicht zu vergessen, daß man auf eingezäuntem Privatgelände sogar Auto fahren darf.
Aber das Allerbeste: Mit einer afrikanischen Jagdlizenz, die man auch ohne Jagdschein bei den Provinzen erwerben kann, darf man sogar mit sechzehn jagen.
Von dieser Regelung hat Moritz eine Woche später in der Kalahari Gebrauch gemacht und seine ersten Sandgrouse erbeutet. Zurück in Deutschland möchte er so schnell wie möglich die Jugend-Jägerprüfung ablegen und einen Jagdhund führen.

Nathalie und Arno tummelten sich am Pool.
Obwohl im Mai in Südafrika Winter ist und die Nachttemperaturen schonmal bis zum Gefrierpunkt sinken können, wärmt sich die Erde am Morgen schnell auf und um zehn Uhr sind es schon wieder 25 Grad Celsius.
Während Arno bereits am ersten Tag seine Leidenschaft für die Jagd entdeckt hat und keine Gelegenheit ausliess, die Jäger zu begleiten, beschäftigte sich Nathalie auch ganz gerne mit den Farmtieren.

 

 

Enten füttern, Schweine versorgen und mit dem Pferd ein bisschen ausreiten hat schliesslich auch was. Die Jägerprüfung möchte sie nächstes Jahr in Angriff nehmen.

 

 

Paul hielt Smalltalk. Er hatte sich bereits im Vorfeld über das Land, die Leute und das Wild informiert.
Als diplom Agrar-Ingenieur hatte er natürlich mit dem Rancher viel zu besprechen. Paul ist begeistert von der Artenvielfalt in Südafrika. "Als Jäger braucht man keine Angst zu haben, negativ in den Bestand einzugreifen." sagt er. Das Wild ist überwiegend tagaktiv, was die Jagd erleichtert.
Im Gegensatz zu Deutschland ist die Eigenverantwortung der Jäger bei der Wildbewirtschaftung bedeutend höher. Für den Auslandsjäger ist Plains Game eine erschwingliche Sache. Hier wird die Trophäe nicht nach Gramm und Millimeter bewertet. Eine Trophäe ist eine Trophäe. Bei seinen Jagdreisen legt Paul großen Wert auf Empfehlungen seiner Freunde. So bleiben böse Überraschungen erspart.

 

 

 

Die südafrikanischen Berufsjäger sind sehr vielfältig. So organisierten sie für uns ein Abendessen bei dem sie ein Nationalgericht am offenen Lagerfeuer zubereiteten. Wir haben gut gegessen und getrunken und viel Gelacht. Die Ranch hat drei große Feuerplätze. Einer davon auf dem Turm am Pool. Die Abende verbingt man dort in gemeinsamer Runde.
Die Jagdtage sind sehr früh zu Ende, denn um 19 Uhr ist es bereits dunkel.
Dafür sind die Nächte manchmal umso länger.

 

Einer der Höhepunkte dieses Abends war der Huttausch von Paul und Thomas. Schon immer hatte sich Thomas so einen Hut gewünscht, wie ihn Paul seit vierzehn Jahren auf der Jagd trägt. Er hat ihn zur Gebirgsjagd und im eigenen Revier begleitet.
Paul beschließt, sich von dem guten Stück zu trennen.
In einem feierlichen Akt erfolgt die Übergabe.
Thomas bedankt sich artig...
...und schenkt Paul seine Makuto-Cap.
Die "Hutfreundschaft" wird noch einmal besiegelt.

Sehen sie nicht gut aus?

Die zwei Wochen auf der Ranch waren schnell vorbei. Wir hatten unvergessliche Jagderlebnisse und konnten viele neue Eindrücke sammeln.
Im nächsten Jahr werden wir weitere Jagdreisen für Nichtjäger organisieren.

Die Makuto-Ranch ist eine Reise Wert. Hier können Sie jagen, feiern, schlafen, lesen, schwimmen, Tennis spielen, reiten, wandern - sie können machen was sie wollen! Sehr hohe Komfort. Deutschsprachige Betreuung. Enstpannung und Aufregung liegen auf der Makuto-Ranch sehr nah zusammen.
MAKUTO



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Wonder Warthog

Zugegeben, ich lebe mittlerweile in so einer Art Schweinewahn. Nicht etwa, weil so viele auf meiner Streckenliste stehen, sondern im Gegenteil - weil ich einfach kein Glück bei der Jagd auf Wildschweine habe. Und wenn doch, dann meist unter den spektakulärsten Umständen. Seit ich jage, und das sind sieben Jahre, habe ich es jedenfalls nicht geschafft, ein deutsches Wildschwein zu erlegen.

Angefangen hat es eigentlich schon in meiner Ausbildungszeit. Nächtliche Ansitze mit meinem Prinzen gehörten solange zum Pflichtprogramm, bis er eines Tages zu dem Schluss kam, dass es ein Fluch sein muss. Seit ich mit von der Partie war, hatte er selbst kein Schwarzwild mehr in Anblick gehabt. Er, dem sie sonst förmlich nachliefen.
Sooft wir auch ansaßen – Schweine waren weder zu sehen noch zu hören.

Zum Test, und insgeheim um die Bestätigung dafür zu finden, dass es nicht an mir lag, vereinbarten wir einen Deal. Zum nächsten Ansitz bei Vollmond nahm er einen anderen Azubi mit. Und prompt passierte es: eine Rotte Schwarzkittel wechselte an und er streckte einen Überläufer.

Von da an nahm er mich auf Sauen nicht mehr mit.

Egal wo ich auf der Treibjagd stehe, die Sauen wechseln woanders. Mich muss man nur in die Nähe eines Maisfeldes schicken, dann ist der Bauer vor Wildschaden sicher.
Wie viele Versuche ich bis heute unternommen habe, kann ich nicht sagen. Ich sehe nur ab und zu mal wieder sehnsüchtig in die alten Lehrbücher, um nicht zu vergessen, wie ein Wildschwein überhaupt aussieht.

Nach meiner Jägerprüfung habe ich ein Jahr in Luxemburg gejagt. Dort herrscht totales Nachtjagdverbot. Wie man sieht, sind unsere Nachbarn durchaus in der Lage, ihren Schwarzwildabschuss auch im Tageslicht zu erfüllen. Da dachte ich, muss selbst ich eine Chance haben. Sooft es meine Zeit zuließ, verbrachte ich meine Abende bis zum Sonnenuntergang im Revier. Das veranlasste meine Luxemburger Jagdkollegen zu allerhand Sticheleien und Sprüchen wie „Ich weiß gar nicht, wieso du stundenlang auf dem Hochsitz rum sitzt. Du musst doch nur da sein wenn sie kommen….“ Danke für den guten Tipp!
Das luxemburgische Jagdjahr beginnt im August und es neigte sich bereits dem Ende zu, ohne dass ich ein Stück Schwarzwild gesehen hatte, während die anderen Jäger sich einen Spaß daraus machten, mir noch nur die Angaben über Uhrzeit und Gewicht ihrer Beute per SMS zu schicken.

Zu keiner Sekunde habe ich daran gedacht aufzugeben. Mit reichlich Lektüre für lange Aufenthalte im Revier ausgestattet, bezog ich meinen Hochsitz. Im Laufe der Zeit hatte ich mir zur Gewohnheit gemacht, beim Umblättern kurz die Gegend zu überblicken, um selbstverständlich festzustellen, dass dies eine schweinefreie Zone ist. So auch zwischen Seite 155 und 166 von Patrick Süskinds „Das Parfum“, als der Mörder Grenouille sich gerade auf der Flucht in einer Höhle häuslich einrichtete.
Zur Seite 166 kam ich nicht mehr:
Schweine! Zwei Stück!
Wer hat mir eigentlich erzählt, dass man Wildschweine meilenweit kommen hört? Mucksmäuschenstill waren sie angewechselt und nun standen sie da und steckten den Wurf in den Waldboden.
Schnell ein Blick durchs Fernglas, um zu schätzen, ob eins in die freigegebene Gewichtsklasse bis 40 kg passt. Hm, beide gleichgroß. Aber wie schwer? Ich war ja nun wirklich wildschweinunerfahren und versuchte die Schweine auf Großer-Münsterländer-Größe umzurechnen. Mein Hund wiegt 35 Kilo. Die Schweine sind nicht ganz so hoch, dafür aber viel massiger, gedrungener.
Je länger ich sie beobachtete, desto mehr kam ich zu der Überzeugung, dass eines der Schweine den rechten Vorderlauf schonte. Quatsch – das sind Halluzinationen, die dir einen Hegeabschuss suggerieren wollen, wies ich mich zurecht. Nix da!
Weniger oder mehr als 40 Kilo? Es könnte sich gerade so drum drehen.
Ich kam zu keinem sicheren Ergebnis und wagte den Schuss nicht. Die Gefahr, eines Schonzeitvergehens war mir zu groß – und die Sauen weg.

Genau eine Woche später besetzte ich zusammen mit einem Jagdfreund, einem erfahrenen Schwarzwildjäger, den gleichen Sitz. Anstatt Lektüre gab’s Erdbeeren. Irgendwie muss man sich ja die Zeit vertreiben und wer weiß wie oft wir hier noch hin müssen, bevor die Sauen wieder kommen. Wolfgang sollte nur fachmännisch das Gewicht schätzen, denn zwischenzeitlich war auch Schwarzwild über 40 Kilo freigegeben.
Ich knabberte versonnen an der vorletzten Erdbeere und überlegte, ob wir nächstes Mal ein paar Kirschen mitnehmen sollten, als der Hochsitz plötzlich zu vibrieren anfing. Ich sah Wolfgang an und merkte, dass er zitterte und vor Aufregung kaum flüstern konnte. „Da…“ war alles was er raus bekam und zeigte auf die Kirrung.
Tatsächlich – da waren sie wieder! Die Beiden von letzter Woche.
Wolfgang im Schweinefieber versuchte ruhig zu atmen, schaffte es aber komischerweise nicht, mich nervös zu machen. Woher ich diese Ruhe nahm, weiß ich nicht. Vielleicht äußert sich wilde Entschlossenheit ja manchmal in Seelenruhe.
Ich machte mich fertig und schoss im richtigen Moment, repetierte, schaute durchs Zielfernrohr und sah – nichts! Kein Schwein weit und breit. „Du hast getroffen. Ich hab’s gesehen.“ bestätigte Wolfgang. „Na fein, und wo ist das Schwein dann bitte?“ Ich war nah an der Verzweiflung. Jetzt hielt ich mich auch nicht mehr an die „Zigarettenlänge danach“, die in allen Lehrbüchern beschrieben ist. Ich hetzte vom Hochsitz und raste in Richtung des Anschusses.
Und da lag es. Mein erstes Wildschwein. Mausetot!
Es lag in einer kleinen Bodenkuhle und konnte deshalb vom Hochsitz nicht gesehen werden. „Waidmannsheil!“ sagte Wolfgang und lachte amüsiert „Das hat höchstens 25 Kilo.“
Die echte Blamage kam erst beim Nachwiegen. In Wirklichkeit waren es genau 22 Kilo.
Mit einem hatte ich allerdings Recht: die Schalen des rechten Vorderlaufes waren verkrüppelt. Es hatte den Lauf also tatsächlich geschont.
Meine Heldentat wurde natürlich nur auf diese Tatsache zurückgeführt. „Wäre es nicht Laufkrank gewesen, hättest du es sowieso nicht erwischt…“ und ähnliche Sprüche. Bei einem solchen Jagdglück ist man natürlich nicht empfindlich und sieht großzügig über die Belustigungen der Jagdkollegen weg.
Zu erzählen, dass ich die Verletzung schon vorher bemerkt hatte, verkniff ich mir allerdings.

Danach folgten wieder karge Jahre ohne Wildschweine.

Meinen nächsten Erfolg der wildschweinischen Art durfte ich erst wieder in Namibia erleben. Nachdem ich Steinböckchen, Kudu und Oryx zur Strecke gebracht hatte, drehten sich meine Gedanken um die Erlegung eines Warzenschweins. Ich wäre ja schon mit einer kleinen Trophäe zufrieden. Hauptsache Schwein.
Was bei anderen Jägern kein Problem ist, stellte sich bei mir wieder als Sondermission heraus. Natürlich wollte der Berufsjäger mich gerne auf ein Warzenschwein führen, aber wir legten kilometerweite Strecken im Busch zurück und sahen sie bestenfalls mal in weiter Ferne von einer Dickung in die andere wechseln.
Am letzten Tag mobilisierte ich meine letzten körperlichen Pirschreserven und startete den letzten Versuch auf das ersehnte Schwein.
Auch der Berufsjäger machte einen besonders entschlossenen Eindruck. Wir rannten kreuz und quer durch die Savanne. Alle bekannten Wildschweinaufenthalte waren wie leergefegt und schließlich gaben wir Stunden später, schweigend und leicht deprimiert, unser Vorhaben auf. Auf der Rückfahrt zum Camp sahen wir in der Ferne noch ein Warzenschwein, das eilig eine andere Richtung einschlug, als es den Wagen hörte.
„Finale!“ beschloss der Berufsjäger zwei Sekunden später und stieg voll in die Bremsen. „Raus aus dem Auto und dicht hinter mir her!“
In tief gebückter Haltung schlichen wir los. „Es steht da drüben unter den Ana-Bäumen. Wir müssen die Richtung wechseln um ihm nicht in den Wind zu laufen.“ flüsterte er. Als er sagte „Schnell, es ist auf dem Weg zu seinem Erdloch.“ waren wir bis auf Dreißig Meter herangepirscht. Mit einem Strauch als Stütze erlegte ich die uralte Bache im allerletzten Büchsenlicht.

Bei meiner ersten Reise nach Südafrika stellte mich die Schweinejagd wieder vor vollkommen neue Aufgaben.
Thamazimbi ist das Gebiet mit dem höchsten Warzenschweinbestand und den stärksten Trophäen. Auf einem Areal von 150 Quadratkilometer schätzt man Hunderttausend Tiere.
Als mein Jagdkollege bereits am ersten Jagdtag mit einem Warzenkeiler ins Camp zurückkehrte war mir klar: das kann hier nicht so schwer sein. Also zog ich los in der Hoffnung auf fette Beute. So zog ich vier Tage durch den Busch – mal wieder ergebnislos. Am fünften Tag wollte der Berufsjäger es wissen. Nolte Roets jagt seit 1989 mit deutschen Jagdgästen und gilt als einer der erfahrensten Warzenschweinjäger der Gegend. Seine Erfolgsquote liegt bei durchschnittlich 250 Warzenschweinen im Jahr. Die Ansitzjagd, sagt er, gibt es in Südafrika erst, seit dort Deutsche jagen.
Wir fuhren mit dem Jagdwagen zu einer Wegkreuzung im Busch und warteten. Wolfgang begleitete uns. „Hier müssen sie kommen!“ war Noltes Überzeugung. Wolfgang stimmte kopfnickend zu.
Sie kamen auch. Allerdings in über 200 Meter Entfernung und in rasanter Geschwindigkeit. Immer zwei zusammen. Von rechts nach links über den Weg in zwei Sekunden.
„Das hat so keinen Zweck. Du musst näher ran.“ ordnete Nolte an. Also kletterte ich vom Wagen und bewegte mich vorsichtig in Richtung des Wechsels. Nach gut der Hälfte der Strecke blieb ich stehen, um mich zu orientierten. Da sah ich genau vor mir in fünfzig Meter Entfernung zwei Keiler, ganz ins Äsen versunken.
Ich ließ mich schnell aber geräuschlos flach auf den Boden fallen, um nicht bemerkt zu werden. Nun galt es, eine einigermaßen brauchbare Auflage für die Waffe zu finden, was in der Savanne mit ganz niedrigem Sträucherbewuchs nicht so einfach ist. Einzig brauchbar erschien mir ein Busch, der etwa zehn Meter links von mir stand. Ich robbte in Zeitlupe durch den dornendgespickten Sand bis ich den Strauch endlich erreichte. Die Schrammen an Armen und Beinen spürte ich nicht. Vorsichtig richtete ich halb auf und schob die Waffe durch das Geäst.
Die Warzenschweine waren noch da.
Als ich versuchte, durchs Zielfernrohr zu sehen, bemerkte ich, dass die Waffe so fest in dem Strauch steckte, dass ich sie gar nicht mehr bewegen konnte. In dieser Haltung hätte ich warten müssen, bis mir ein Warzenschwein genau durchs Fadenkreuz läuft….
Also noch mal von vorne. Waffe vorsichtig aus dem Busch ziehen – und knacks. Ein Ästchen brach – die Warzenschweine sahen genau in meine Richtung.
Jetzt oder nie – in drei Sekunden sind sie weg!
Ich stellte mich kerzengerade hin und schoss das erste Mal in meinem Jägerleben stehend freihändig. Durch das Zielfernrohr beobachtete ich wie der Keiler zeichnete und konnte nicht sofort die Trefferlage bestimmen. Während ich also im Anschlag blieb, um notfalls nachzuschießen, sah ich im Augenwinkel eine Bewegung. Der zweite Warzenkeiler stand immer noch da mit aufgerichtetem Pürzel, die Rückenborsten hochgestellt und schnaubend.
Was nun? Ich war alleine im afrikanischen Busch, Auge in Auge mit einem wütenden Warzenkeiler!
Von Nolte und Wolfgang sah und hörte ich nichts und so entschied ich, in Notwehr den zweiten Keiler auch noch zu erlegen.
Auf der Ranch nennen sie mich seitdem „Double-Held“.

In eine ähnliche Situation bin ich noch einmal geraten. Diesmal wartete ich aber die Reaktion des zweiten Keilers ab, der dann vorzog, das Weite zu suchen.

Danach versprach Nolte mir, das nächste Mal einen „richtigen Keiler“ zu jagen. Alle meine Keilerwaffen waren unter 20 cm Länge. Wie im richtigen Leben ist auch bei der Jagd vieles Ansichtssache. Was ich mir mit Freuden an die Wand hänge, würde bei anderen schnell in der Schublade verschwinden – aber auch umgekehrt.

Im Sommer sollte es soweit sein. Die beste Zeit für starke Warzenkeiler ist Juni bis September. Dann ist in Südafrika Winter, die Büsche sind nur schwach belaubt und gewähren bessere Sicht für den Jäger.
Keiler mit Waffenlänge über 30 Zentimeter fallen selbst in dieser Gegend nur drei pro Jahr, erklärte Nolte. Im Alter von zwölf Jahren und mehr sind sie durch die Trockenperioden, die alle 5-6 Jahre wiederkehren, stark gefährdet.
Für Trophäen von 25 cm und mehr, braucht der Jäger etwa 10-12 Tage Zeit, um zum Erfolg zu kommen. Alles Fakten, über die ich mir nie den Kopf zerbrochen habe. War ich doch überglücklich überhaupt mal ein Schwein zu erbeuten.

Man klärte mich weiter darüber auf, dass die beste Trefferlage der Schulterknochen ist. Außerdem ist ein starkes Kaliber erforderlich. Die Berufsjäger machen auf Warzenschweine keine Nachsuche mit Hunden, weil diese zu häufig geschlagen werden.
Diese starken Keiler kann man auch kaum auf der Pirsch erlegen. Sie sind zu heimlich, als dass man ihnen dort begegnet. Es gibt Warzenkeiler, die seit Jahren bekannt sind, die aber nur selten gesehen werden und hinter denen jeder her ist.
Die Farmer, verkaufen Einzelabschüsse auf ihren Farmen bevorzugt an Nolte, weil sie wissen, dass er gute Preise zahlt. Er ist er der erste, der erfährt, wenn irgendwo ein Monsterkeiler gesichtet wurde.

Wir fuhren gegen Abend zu einer Rinderfarm mit Maisanbau und wurden von dem Farmer und seiner Familie aufs herzliche begrüßt. Der Farmer freute sich besonders uns zu sehen. Er hatte bereits große Schäden in den Feldern. Als jagdliche Einrichtung dienen dort Gebilde, die einem Termitenhügel zum Verwechseln ähnlich sehen. In einen solchen Hügel verkrochen wir uns und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Wir sahen hunderte von Perlhühnern. Oryxe kreuzten den Weg und Warzenschweine ohne Ende. Allerdings keinen starken Keiler.
„Wir waren zu spät dran.“ Stellte Nolte fest. „Morgen müssen wir früher sitzen.“
Am nächsten Tag bezogen wir um die Mittagszeit den Termitenhügel. Aus Spaß zählten wir die Warzenschweine mit. Nach Nummer 85 entstand eine Pause. Es war 15 Uhr, die Zeit zu der wir aufbrechen wollten. Um zwei Oryxe, die wenige Meter von unserer Deckung entfernt ästen, nicht zu verschrecken, beschlossen wir, noch zu warten, bis sie weggezogen waren.
Da kam Warzenschwein Nummer 86 aus dem Busch, eine starke Bache, gefolgt von Nummer 87, einem überdimensionalen Keiler! Nolte flüsterte nur „Keiler! Keiler! Schießen!“
Blitzschnell hatte ich die Waffe im Anschlag und den Keiler im Fadenkreuz.
Er stand wie im Bilderbuch.
Ich peilte exakt das Schulterblatt an um bloß keinen Fehler zu machen.

Genau in dem Moment, wo ich schießen wollte kam eine zweite Bache dazu und stellte sich exakt vor den Keiler, von dem nun nur noch der Kopf zu sehen war.
Jetzt wurde Nolte nervös. Er war nicht sicher, ob ich die Bache gesehen hatte. Wenn man nicht genau hinsah, konnte man die zwei wirklich für eins halten.
Ich blieb ganz ruhig im Anschlag und wartete. Die Waffe wurde immer schwerer, die Spannung stieg. Welches Schwein würde sich zuerst, wie schnell und in welche Richtung bewegen? Diese Chance durfte ich nicht verpassen. Das würde ich mir nie verzeihen. Und Nolte mir wahrscheinlich auch nicht.
Ich konzentrierte mich auf den Keiler bis ich das Gewicht meiner Waffe nicht mehr spürte. Endlich zog die Bache den ersten Schritt vor. Der zweite folgte und langsam verschwand sie nach rechts aus meinem Glas. Jetzt ist es soweit.
Der Schuss krachte, der Keiler machte eine hohe Flucht und ich geriet in Panik, weil ich befürchtete, ihn angeschweißt zu haben. Ich repetierte in rasanter Geschwindigkeit und bevor ich die Waffe wieder an der Schulter hatte war Stille.
Da lag er. Nach einer kurzen Flucht von zwanzig Metern. Sauber getroffen.

„Du hast ihn! Du hast ihn!“ jubelte Nolte und hüpfte aus unserem Versteck.
Ich folgte ihm langsam und bedächtig zu dem Keiler und versuchte jeden Augenblick dieses Abenteuers zu speichern. Ich wusste, dass ich von diesem Erlebnis den Rest meines Jägerlebens zehren würde.
Eilig wurde der Farmer informiert und kurze Zeit später stand eine handvoll Männer andächtig um den Warzenkeiler herum.
Es ist eine außergewöhnliche Trophäe.
Mit einer Waffenlänge von 37 cm war ich nicht nur „Talk of the town“ in Thabazimbi, sondern ich bleibe auf ewig die Jägerin des sagenumwobenen „Wonder Warthog“.

 

 

 

 

 

So sah Wonder-Warthog aus, als er mit der Kiste aus Südafrika geliefert wurde. Ich hätte nie gedacht, dass das Auspacken einer Speditionskiste ein Jagderlebnis sein kann. Aber auch das gehört dazu.Genau so wie die "afrikanische Nacht", zu der ich meine Freunde dann einlud.

Bei Nolte Roets ist man als Jäger jederzeit gut aufgehoben.Eigentlich hat er eine Metzgerei in Thabazimbi. Aber selten habe ich einen Berufsjäger so leidenschaftlich bei der Sache erlebt. Er sorgt sich um sein Wild und die Natur seiner Heimat. Ihr Jagderlebnis wird durch die Führung dieses PH (professionell Hunter) aufgewertet.
NOLTE ROETS

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Jagen im Niemandsland

Es wird bei uns eigentlich nur im Zusammenhang mit Gipfelkonferenzen und Naturkatastrophen erwähnt.
Man weiß, dass es dort Geysire und warme Quellen gibt.
Aber wer ahnt schon, was für ein faszinierendes Erlebnis Island für Jäger bieten kann?

Island liegt nicht im ewigen Eis! Wir landeten bei strahlendem Sonnenschein und 5 Grad Celsius auf einer Insel, die von oben wie der Mond aussieht. Auch die Fahrt auf der Schotterfahrbahn Richtung Norden, änderte diesen Eindruck nicht.
Erst als unser Jagdführer Gery uns die Sieben Uhr Nachrichten aus dem Autoradio übersetzte, gewöhnten wir uns an den Gedanken, dass es hier irgendwo Leben gibt.
„ Auf der Straße von Dynjandi nach Hrafnseyri ist ein LKW mit 50 Schafen verunglückt. Der Fahrer und die Tiere kamen mit einem Schrecken davon.“
„Der Zuchtbulle Guttormur feiert heute seinen zehnten Geburtstag. Sein Gewicht beträgt eine Tonne. Die Feierlichkeiten finden derzeit in seinem Heimatdorf Búrfell statt.“


Im Hintergrund hörten wir „Happy Birthday to you“ auf Isländisch.
Für den kommenden Tag war Jagd auf Schneehühner in den Bergen vorgesehen. Überwältigt von den Eindrücken dieses Tages und gespannt auf morgen fielen wir früh in die Kissen.

 


In Island gibt es fast dreißig jagdbare Vogelarten, dagegen sind Polarfuchs, Mink und Rentier die einzigen wildlebenden Säugetiere der Insel.

Als Andrea mich weckte, war es stockdunkel und ihre Aufregung machte mich nervös. Ich sprang in meine Kleider und folgte ihr aus dem haus in die Dunkelheit, ohne genau zu wissen warum. Es war nicht wirklich dunkel draußen und dann wusste ich warum – ein Nordlicht! Es durchzog den Horizont von einem Ende zum Anderen und leuchtete neongrün. Die Strahlen tanzten hin und her und wir standen draußen, mit offenem Mund, in Eiseskälte um dieses gewaltige Naturschauspiel zu bewundern. So was hatten wir noch nie gesehen.

Die Sonne geht erst um neun Uhr auf. Man muss also nicht früh aufstehen in Island. Zumindest nicht für unsere Verhältnisse. Gut gelaunt wanderten wir hinter unserem Jäger her und bestaunten die hohen Berge und die wechselnde Vegetation von unten bis zum Gipfel. Kein Mensch ahnte bis jetzt, dass wir dort hinauf sollten. „Wenn der Berg bis zur Hälfte mit Schnee bedeckt ist, kommen die Hühner hinunter um im Grünen nach Blaubeeren zu suchen. Es liegt noch kein Schnee. Das heißt, wenn die Hühner nicht runter kommen, müssen wir rauf.“ Herzlichen Glückwunsch. Laut Karte hat dieser Berg eine Höhe von 704 Metern!
Schon nach der ersten Viertelstunde hing uns die Zunge aus dem Hals und wir hechelten nach Luft. Unsere Instruktionen lauteten: Wer nicht weiter will, geht zurück zum Auto.

Das hat so was von aufgeben. Und das wollten wir ja nun weiß Gott nicht. Wir schleppten uns den Berg hoch, erklommen die letzten Meter bis zu einem Gipfel, um dann festzustellen, dass es dahinter in stetiger Steigung weiterging.
Irgendwann sahen wir unseren Jäger nur noch aus der Ferne und kämpften uns alleine weiter. Manchmal kam noch eine zerrissene Stimme aus dem Walkie-Talkie. Von Verständigung war keine Rede mehr.
Schneehühner sitzen in Felsspalten – das wussten wir. Also war die grobe Richtung immer weiter nach oben. „Ich bin nördlich von euch, kommt mir hinterher“ kam die Anweisung aus dem Minigerät, dessen Wert wir noch gar nicht zu beurteilen wussten.
Norden! Noch ein Berg! Die letzten Meter kletterten wir wie die Bergsteiger.
Und als wir die Nasen über den Gipfel reckten sahen wir – den nächsten Berg.
Ich war der Meinung ‚Hier geht’s lang.’ Andrea behauptete: ‚Da ist Norden.’ So wanderten wir stundenlang. Und irgendwann in unterschiedliche Richtungen.

Ich genoss die Landschaft und mir wurde klar, warum auf unserer Reise-Checkliste ein Kompass oder GPS aufgeführt waren. Wie sollten wir uns jemals wiederfinden?
Meine Muskeln schmerzten, der Rücken tat vom Rucksack weh. Meine Flinte ist zwar Ultra-Light, aber auch das wird irgendwann zu Blei.
Irgendwann gab ich die Hoffnung auf, dass einer von den beiden in Sichtweite erscheint. Niemand antwortete mehr auf meine Funkrufe. Also machte ich mich alleine auf den Weg, die Sonne als Orientierung.

 

Mir brach immer wieder der Schweiß aus und die Abstände zwischen meinen Pausen wurden immer kürzer. Ich erschrak fürchterlich, als plötzlich, unmittelbar vor mir ein Schneehuhn hoch flatterte und sich in hundert Meter Entfernung wieder niederließ. Schnell duckte ich mich und machte den Plan, wie ich am besten an den Vogel herankomme. Ich hatte ihn genau im Auge und versuchte mich ganz langsam und vorsichtig in seine Richtung zu bewegen. Allerdings musste ich dafür durch Rinnsale, die mich immer wieder umrissen. Es kostete Unmengen Energie auf Schrotschussentfernung heranzukommen – aber ich schaffte es!
Fast zeitgleich kamen wir alle drei aus verschiedenen Richtungen im Tal an. Auf der Tagesstrecke lagen acht Schneehühner.

Die Jagd auf das Schneehuhn beginnt am 15. Oktober. Das ist die Zeit, wo die Isländischen Jäger die Flinte packen, ihre Familie verlassen und für mindestens eine Woche nicht gesehen werden. Die Beute gehört in jedem Fall dem Jäger und so versucht jeder, möglichst viel zu erlegen um es an einheimische Restaurants zu verkaufen. Zu Zeiten als Nerz und Polarfuchs noch als Rauchware gehandelt wurden, gab es Jäger, die vom Verkauf ihrer Beute lebten.Zur Zeit ist eine gesetzliche Abschuss-Regulierung in Vorbereitung, um diese kommerzielle Jagd auf Schneehühner zu beschränken.

Unser Weg führte uns noch weiter nach Norden, zur Halbinsel Skagi, wo wir am nächsten Morgen auf Wildgänse jagen wollten. Nach der Anstrengung des Vortages, betrachteten wir den Gänsestrich als eine willkommene Erholung. Zumal Gery, unser Jäger, uns eine Thermoskanne mit Kaffee versprach, und Schokolade dazu.

Auf Skagi war etwas früher aufstehen angesagt. Der Kaffee war gerade durchgelaufen, als Gery uns energisch zum Aufbruch drängte. Wir zwängten uns schnell im Zwiebelverfahren in soviel warme Kleider, dass wir uns fast untereinander nicht mehr erkannten. Dann zogen wir im Laufschritt, wie Außerirdische, Richtung Teich. Nach hundert Metern hätte ich am liebsten schon die Flinte ins Gras geschmissen, denn meine wunden Glieder meldeten sich. Auch Andrea stand vorübergebeugt und hechelnd am Weg und hauchte leise ‚Nie wieder!’. Wer einmal jagdlich über sich selbst hinausgewachsen ist, kann verstehen woher der Antrieb kommt. Ich fand mich jedenfalls kurze Zeit später am Ufer eines Teiches in Tarnnetze gehüllt und lauernd.
Lange Zeit passierte nichts, dann hörten wir sie. Die Wildgänse kommen!
Sie zogen genau in unsere Richtung. Was sie davon abhielt unsere Schusslinie zu kreuzen weiß niemand, jedenfalls konnte nur Gery die letzte Gans im Zug schießen.

Mittlerweile steif gefroren harrten wir am Ufer und warteten vergeblich.
Eine einsame Ente überflog genau Gery und so hatte er ein zweites Mal Jagdglück. Die Ente landete im Teich.
Erst als die Sonne hinter dem gegenüberliegenden Berg erschien, tauten unsere Glieder langsam auf und wir begannen uns Wohlzufühlen. Und zwar so wohl, dass Gery uns buchstäblich von diesem Sonnenaufgang wegreißen musste. Es war Tag und die Jagd vorbei.

Der einzige Hund des Gehöfts, der die Ente aus dem Teich hätte holen können , war gerade unterwegs um Island-Pferde von den Hängen zu treiben und so mussten wir sie selbst bergen.

Na wie schon? Schuhe aus. Strümpfe aus. Hose hochkrempeln und ab in die eisigen Fluten. Zum Glück nur der Schütze. Wir standen am Ufer und feuerten ihn an. Und weil’s so lustig war, tauften wir den neuen Sport Duck-Fishing.

Zurück im Jagdhaus, beendeten wir unser angefangenes Frühstück und brachen auf in Richtung Süden. Unterwegs begegnete uns wiederum kein Auto, kein Mensch. Daß Island die geringste Bevölkerungsdichte aller Staaten Europas hat, wurde uns hier deutlich. Wir sahen nur Lava und Moos bis uns in weiter Ferne drei Rauchschwaden aufmerksam machten. Wir strengten unsere Augen an, um die dazugehörigen Häuser zu sehen, aber es gab keine.
Der Rauch kam nicht aus Schornsteinen, sondern direkt aus der Erde. Es war kein Rauch sondern Wasserdampf aus warmen Quellen. Gery schickte uns in eine Holzhütte, wo wir unsere schwere Kleidung gegen Badezeug tauschten. Die Überwindung im Bikini über meterdickes Eis zu laufen war schwer aber das Ziel zu verlockend, als dass wir aufgegeben hätten.
In dieser wohlig warmen Quelle zu sitzen, mit einem atemberaubenden Blick auf den Gletscher Langjökull entschädigte uns nicht nur für die vergangenen Strapazen. Das warme Wasser dieser Quelle heizte uns so sehr auf, dass uns anschließend stundenlang nicht kalt wurde.

Als wir ein auf der Strecke gelegenes, historisches Bauernhaus besichtigen, zogen wir nicht mal mehr Jacken an. Der Hof faszinierte uns deshalb, weil er in diesem ganz besonderen Isländischen Stil, mit Grundmauern und Dach aus Torf erbaut worden war. Auf dem Dach wächst Gras, das durch sein dichtes Wurzelwerk eine wasserabhaltende Schicht bildet. Dieses Prinzip funktioniert aber nur bei dem richtigen Neigungswinkel. Ist das Gefälle zu gering, sickert das Regenwasser durch. Bei zu großem Gefälle läuft das Regenwasser zu schnell ab, so dass der Torf bei Niederschlagsmangel austrocknet, wodurch Risse entstehen.

Immer wieder ließen wir unsere Blicke während der Fahrt durch die mondähnliche Landschaft gleiten bis uns Gary’s Stimme rau erschreckte:
„White Spots!“ Damit meinte er die kleinen weißen Punkte neben der Straße, die er als erfahrener Islandjäger im Vorbeifahren als Schneehühner identifiziert hatte.
Geduckt pirschten wir uns an die Hühner heran, denn wenn sie uns entdeckten hatten wir keine Chance. Auf Lava leise Pirschen ist so gut wie unmöglich und Deckung hatten wir auch keine. Wir wurden immer langsamer und legten die letzten Meter, bis wir eine sichere Schussentfernung erreicht hatten, in Zeitlupe zurück. Die Waffe schon im Anschlag, warteten wir auf Gery’s Kommando. Ein Pfiff bewegte die Hühner zum Abstreichen und bescherte uns Jagdbeute. Drei Schneehühner waren es diesmal.

Am darauffolgenden Tag besuchten wir eines der seltensten Naturdenkmäler dieser Welt: den Geysir Strokkur. Auf dem Thermalfeld von Haukadalur sind die Eruptionen derzeit etwa alle zehn Minuten zu beobachten. Wie hypnotisiert starrten wir in den zwei Meter weiten Schlund sahen mit Spannung, wie das Wasser sich brodelnd zu bewegen begann. Es fing an, sich auf- und niederzuwallen. Dann wölbt es sich einen halben Meter nach oben und bleibt für Augenblicke wie eine Glocke stehen. Dann schießt aus dem Untergrund der Dampfdruck aus der Erde empor und nimmt eine 20 Meter hohe Fontäne mit gen Himmel. Danach füllt sich der 120 Meter tiefe Schlund wieder mit Wasser. Es dauert einige Minuten, bis sich der Dampf, dieser 97 Grad heißen Springquelle verzogen hat. Was übrig bleibt, ist das Becken mit ruhig wogendem, leise blubberndem Wasser.

Die Gesamtbevölkerung Islands liegt bei etwa 280.000 Menschen. Davon sind ca. 17.000 aktive Jäger. Der Frauenanteil beträgt 2-3%.
Eine dieser Jägerinnen besuchten wir Abends in Reykjavic. Ragna würde uns die letzten zwei Tage zur Jagd begleiten. Aber erst mal gönnten wir uns einen Abend in der Zivilisation.

Die Fahrt von Reykjavic, an der Südküste entlang nach Hruni war natürlich traumhaft. Zunächst! Von weitem sahen wir, wie sich vor uns eine graue Wand aufbaute. Ein Sandsturm.
Ich fuhr in Ragna’s Auto mit, Andrea und Gery folgten uns im Geländewagen. Per Handy beratschlagten unsere Gastgeber, was zu tun sei.

Bei allzu starken Sandstürmen wird die Küstenstrasse gesperrt. eine Umleitung gibt es nicht. Da noch keine Barrieren aufgebaut waren, entschieden unsere Gastgeber sich zur Weiterfahrt. Schließlich wollten wir auch nicht zu spät zur Gänsejagd kommen. Der Sturm wurde so stark, dass man spürte wie er gegen das Auto drückte und Ragna hatte alle Mühe gegenzusteuern um nicht von der Straße abzukommen. Auch die verschlossenen Fenster konnten ein Eindringen von Sandkörner in das Wageninnere nicht verhindern. Der Spuk dauerte etwa zehn Minuten, dann waren wir durch.
Ragna verzog keine Mine. „Wir leben hier mit Erdbeben, Vulkanen und Sandstürmen. Wir kennen das.“

An diesem Abend bat uns Gery, die Rettungsdecken und die Schlafsäcke einzupacken. Wir betrachteten es als reine Vorsichtsmassnahme. Aber als Ragna begann Notproviant zu packen wurde uns schon ein bisschen komisch.
Unser Jagdrevier war die größte Schwemmlandebene Islands, der Gletscherlauf des Skaftafellsjökull. Unter allen Gletschern befinden sich Vulkane. Auch wenn nicht gerade ein Ausbruch im Gange ist, fließt durch die Thermalgebiete ständig Wasser ab. In nahezu regelmäßigen Abständen werden Gletscherläufe ausgelöst, die sich mit gewaltigen Schutt- und Eismaßen über die Sanderflächen ergießen.
Gery lenkte den Wagen in diesem unwegigen Gelände sehr zuverlässig, immer wieder die Koordinaten des GPS-Systems prüfend. Zwischendurch telefonierte Ragna mit dem nächstgelegenen Gehöft und bat um Hilfe, falls wir uns bis neun Uhr nicht gemeldet haben. Wir krallten uns an alles, woran man sich auch nur irgendwie festhalten konnte.
Immer wieder krachten wir in Schlaglöcher. Vor großen Eisflächen beschleunigte Gery den Wagen. Die Eisdecken krachten und splitterten und die Teile flogen wie Glasscherben umher.
Weil wir schon spät dran waren, zeigte Gery uns nur schnell die grobe Richtung, in der wir uns einen ‚Stand’ suchen sollten und wir verteilten uns.

Der Wind war so empfindlich kalt, dass ich mir überlegte, das erste Mal von meiner Rettungsdecke Gebrauch zu machen. Um unnötige Bewegungen zu vermeiden ließ ich es aber.
Ich kauerte mich in meinen Ansitzsack und beobachtete wie sich in diesem riesigen Eisfeld kleine Bäche ihren Weg bahnten, ohne einzufrieren. Ein Land voller Gegensätze.

Als die Dunkelheit hereinbrach, funkte Gery uns an und wir bewegten uns steifgefroren zum Auto.
Gerade als wir alle Waffen verstaut hatten, hörten wir sie kommen.
‚Nehmt die Waffen’ schrie Gery und wir stürzten uns auf Flinten und Munition. Wir sahen die Wildgänse in ihrer typischen Formation auf uns zukommen. Viel zu weit entfernt flogen sie an uns vorbei. Aber wir blieben fasziniert stehen bis wir sie nicht mehr sahen und nicht mehr hörten.

Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass die Wasserleitung unserer Jagdhütte eingefroren war. Keine Dusche – kein Kaffee!

Im Dunkeln fuhren wir eine nicht ganz so schlimme Strecke zu einem der wenigen abgeernteten Kornfelder. Hier hatten die Jäger in größeren Abständen Erdlöcher gegraben, in denen wir bis zur den Hüften versanken. Zusätzlich tarnten wir uns mit Netzen.
Wieder warten. Im Sonnenaufgang sahen wir die wunderschöne Landschaft und genossen jeden wärmenden Strahl. Aber Gänse kamen leider keine mehr.

Es war vorgesehen nun nach Reykjavic zurückzufahren, denn am nächsten Morgen ging unser Flieger. Gery und Ragna waren allerdings nicht zufrieden mit dem Ergebnis des letzten Jagdtages und so boten sie uns etwas ganz besonderes.

An der Südwestspitze der Insel liegt das kleine Fischerdorf Grindavic.
Islands Wirtschaft ist ausschließlich auf den Fischfang orientiert und angewiesen. Ein Zeugnis dafür ist der Hafen dieses Ortes. Hunderte von kleinen und großen Fischkuttern liegen malerisch an der Küste. Eines der Boote gehört Ragna und Gery und ist nicht zum Fischen sondern zur Seevogeljagd bestimmt.


Schmerzlich erfuhren wir, wie schnell ein unbeladener Fischkutter ist, denn dort gibt es kein halten. Wir fielen von einer Seite zur anderen und erst wenn Gery „Alka“ rief, drosselte der Käpt’n die Geschwindigkeit. Tordalke von Möwen zu unterscheiden ist gar nicht so einfach aber wir lernten es schnell. Die Alke schwimmen in kleinen Gruppen in Küstennähe und tauchen einfach ab wenn man sich nähert. Der Trick ist, sie zu entdecken wenn sie wieder hochkommen. Dann sitzen sie auf den Wellen und wippen. Einen Moment später sind sie wieder verschwunden. Beim Kommando ‚fertig machen’ hatte Gery eine Gruppe Alke ausgemacht und der Käpt’n drosselte die Geschwindigkeit. Wankend an die Reling gelehnt, lud ich meine Waffe und hielt den Lauf in die Richtung, in der ich die Vögel vermutete. Als sie auftauchten, versuchte ich mit der Flinte zu zielen. Die Vögel hüpften auf den Wellen und ich schwankte mit dem Boot hin und her und so ging der erste Schuss in Leere. Beim zweiten Anlauf hatte ich Erfolg und alle freuten sich mit mir.
Nach zwei Stunden auf See, durchnässt bis auf die Haut und frierend, aber guter Laune, stiegen wir wieder an Land.

Den letzten Abend verbrachten wir mit unseren Freunden bei gutem Essen und schaurigen
Märchen von Elfen und Trollen.

 

Island ist ständig von Stürmen gepeitscht, von Erdbeben gespalten, unter Lavaströmen begraben,
von Gletschern langsam zermahlen und von Vulkanausbrüchen erschüttert. Eine Insel aus Feuer und Eis, am Rande der bewohnbaren Welt.

In einer wilden Natur zu jagen, in der der der Mensch keine übermäßigen Spuren hinterlassen hat,
ist die Faszination Islands.

Diese Reise haben wir mehr oder weniger "auf eigene Faust" unternommen. Gerry hatte mir im Vorfeld einen Isländischen Jahresjagdschein besorgt, der damals ca. 16 US-Dollar kostete. Auch die Waffeneinfuhr war problemlos. Island ist ein Erlebnis, das man sich gönnen sollte. Wenn Sie Interesse an einer Jagd in Island haben, berate ich Sie gerne.

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